— ĐE GHÊ UND DER MEISTER —

Philosophie des liebenden Herzens
— ĐE GHÊ UND DER MEISTER —

Stand: 10.04.2017 – Die Texte werden von Zeit zu Zeit erweitert & aktualisiert ...

1. Einleitung
2. Textbuch [ oben . unten ]

Einleitung

Schüler Đe Ghê rezitierte die Kalligraphie seines Meisters: "Kein Gipfel ohne Berg."

Ich schrieb die Worte dieser Lektüre, weil sie mir oftmals sprudelnd in den Sinn kamen. Es ist meine Art zu denken. Im Prozess der Formulierung empfinde ich Genugtuung. Im Fluss des Findens finde ich Freude. Im Freilassen des Gedachten erfahre ich Erleichterung. Die kurzen Geschichten, Gleichnisse und Aphorismen folgen meiner Neigung für die Schau nach innen und dem Wunsch, begreifen zu wollen.

Der Schüler Đe Ghê ist ein Aspekt meiner eigenen Suche – er ist ein Mensch, der sich selbst, die Welt und die Dinge verstehen will und sättigende Antworten auf seine Fragen sucht. Đe Ghê ist ein Suchender, der wahrhaft finden will. Der Meister ist Teil seiner und somit meiner Inspirationsquelle. Er ist die liebevolle Stimme im Inneren. Des Meisters Worte sind Antrieb und Lenkung meines Bedürfnisses nach redlichem Denken und Handeln.

Der Meister ist Mittel und Zweck. Quelle und Ziel. Frage und Antwort. Lehrer und Schüler. Was ich als mein eigener Schüler und Lehrer in diesem überschaubaren Werk niederschrieb, ist inspiriert. Für mich ist es die Philosophie meines Herzens. Diese Botschaft will ich freudig mit dir teilen. Mit Freude teilen bedeutet, Freude auszudehnen.

Mögen wir uns, verehrte Leserin, verehrter Leser, in gegenseitiger Anerkennung wohlgesonnenen sein. Mögen unsere Meister miteinander Freundschaft schließen – und lass uns gemeinsam einen friedlichen Blick in die nahe Ferne wagen. Denn: "Dort, wo alles mit allem verbunden ist, liegt auch die Wiege des Glücks."

Dirk Gießelmann, Herbst/Winter 2015

Der Weg des Friedens

Đe Ghê ging zum Meister und sagte: „Meister, die Leute in der Stadt erzählen sich, dass alles Übel in der Welt von Menschen gemacht sei.“

Der Meister sprach: „Wenn die Leute es sich erzählen, dann wird es so sein.“

Đe Ghê erwiderte: „Aber Meister, was sollen wir tun?“

Der Meister antwortete: „Geh hin zu den Menschen. Höre ihnen zu. Beobachte, was sie tun. Dann: überlege. Dann: fühle. Dann: entscheide. Dann: handle! Dann: mach dich von Gedanken und Emotionen frei. Es wird der Weg des Friedens sein.“

Wahre Bestimmung

Đe Ghê und der Meister spazierten auf einem Weg hinab ins Tal.

Der Meister sprach: „Đe Ghê, geh hin zu dem Baum dort hinten am Wegesrand und pflücke den Apfel, der dir am begehrlichsten erscheint.“ Đe Ghê tat wie ihm gesagt wurde und kehrte zurück. Der Meister sprach: „Fühlst du den Apfel in deiner Hand?“

Đe Ghê antwortete: „Ja Meister, ich fühle den Apfel in meiner Hand.“ Der Meister sprach: „Erkennst du die Stärke und die Geschlossenheit dieser Frucht, die das Innere mit dem Äußeren vereinen?“

Đe Ghê antwortete: „Ja Meister, ich erkenne die innere Stärke und die äußere Geschlossenheit des Apfels.“

Der Meister sprach zu Đe Ghê: „So nimm diesen Apfel, und schleudere ihn fest gegen meine Schläfe. So kann dir der Apfel ganz sicher eine tödliche Waffe sein.“

Đe Ghê fuhr ein Ausdruck von Verwirrtheit in sein Gesicht. Dann biss er in den Apfel hinein und sprach zu seinem Meister: „Aber Meister. Seht her: Dieser Apfel ist süß und köstlich. Er schmeckt mir vorzüglich. Ihr seid mein Meister. Von euch lerne ich von einen auf den anderen Tag, was es bedeutet, ein rechtschaffener Mensch zu sein. Warum sollte ich in diesem Augenblick fehlen und Gutes gegen Gutes wenden, um daraufhin beides zu verlieren?“

Der Meister sprach mit Sanftmut im Blick: „Đe Ghê, jetzt geh und iss den Apfel. Denn du weißt, was wahre Bestimmung ist. Deine, meine und die des Apfels.“

Vom Sehen

Der Meister fragte seinen Schüler: „Đe Ghê, wenn du hier an meiner Stelle stündest und sähest, was ich in diesem Moment sehe, was also würdest du erblicken?“

Đe Ghê schaute eine Weile umher und antwortete: „Ich sähe den Himmel und die Sonne. Ich sähe die Kraniche dort drüben fliegen und die Berge am Horizont. Ich sähe die Kiesel am Boden liegen und die Ameisen, die zwischen den Kieselsteinen hindurchrennen. Ich sähe die Bäume am Wegesrand und ihre Nadeln, die zu Boden fallen. Ich sähe die roten Beeren an den Sträuchern zu meiner linken Seite. Ich sähe die Wolken vorbeiziehen. Ich sähe den Schmetterling, der über die Kräuter fliegt, und sogleich seinen Schatten, der ihm beständig folgt. Ich sähe Tautropfen, wie sie an den leicht gebogenen Halmen herabrinnen. Ich sähe das weite, großartige und lebendige Schauspiel in all seiner Herrlichkeit.“

Der Meister sprach: „So ist wahr, was du mir sagst, Đe Ghê. Aber vor allem erblicktest du: in allem Dich selbst.“

Täter und Opfer

Đe Ghê kam schnell des Weges gerannt, stolperte ins Halten hinein und sprach gar hastig und sehr außer Atem zum Meister: „Meister, Meister, … hört mir zu! Vorhin musste ich mit ansehen, wie zwei Männer unten am Ufer des Flusses seitens des Dorfes einen Fischer um sein Geld, seine Kleidung, sein Essen und sein Leben brachten. Ich sprang in den Fluss, schwamm herüber zur anderen Seite, drohte mit dem Stock und brachte einen Fluch der Unglückseligkeit über die Missetäter aus. Die beiden Schurken rannten davon und schlugen sich abseits des Weges in das Gebüsch, sodass meine Augen die beiden Männer verloren. Ich erzählte davon einigen Leuten ganz in der Nähe, ich segnete den leblosen Körper des Fischers, den brachten wir zur Familie des Toten. Bitte sagt mir: Handelte ich recht?“

Der Meister sprach: „Alles tatest du sehr wohl. Doch ich an deiner Stelle hätte die Mörder nicht verflucht, sondern meinen Segen über sie ausgesprochen. Das ändert an all dem, was geschehen ist, wahrlich nichts. Aber es dient der Rechtschaffenheit unserer Absicht.“

Đe Ghê antwortete: „Aber Meister, was ist unsere Absicht?“

Der Meister sprach: „Ein Täter ist gleichsam Opfer seiner Unfähigkeit. Der Frevel wird von Volk und Staat geahndet. Dadurch werden diese selbst zu Tätern. Wir aber bitten dafür, dass alle Menschen aus dem Kreislauf von Täter- und Opferschaft heraustreten können. Nur durch vollkommene Vergebung werden wir diesen Weg gehen können. Das ist unsere Absicht.“

Tempel der Gewissheit

Đe Ghê und der erhabene Meister saßen des Abends bei Kerzenlicht zusammen. Der Meister spürte, dass sein Schüler in Gedanken innerlich mit sich rang und mit der Meditation haderte.

So sprach der Meister: „Đe Ghê, was hält dich davon ab, in die Ruhe einzukehren?“

Đe Ghê schlug seine Augen auf und gab seinem Meister Antwort: „Meister, ihr fühlt es ganz recht. Meine Gedanken sind verwirrt. Seit sehr vielen Jahren schon bin ich in eurer Obhut und gesegnet durch eure Weisheit, die ihr mich mit jedem Atemzug lehrt. So dachte ich sogleich darüber nach, dass ich nach ach so langer Zeit noch immer unendlich viele Fragen habe, deren Grund, sähe man das Nichtwissen als einen tiefen Brunnen an aus dem man unablässig schöpft, ich nicht erkennen kann. So überkam mich die pure Angst, dass ich das vollkommene Verstehen niemals werde erlangen können. Meister, bitte sagt mir: Woraus schöpft ihr eure ganze Gewissheit auf eurem Weg?“

Der Meister hielt einen Augenblick inne. Dann fuhr er mit den Spitzen seiner Finger zu seinen Mundwinkeln und zog diese sanft ein Stück weit nach oben, sodann fuhr er mit der flachen Hand über seine Augen und schloss die Lider. So formte der Meister ein ganz und gar anschauliches, freundliches Gesicht.

Daraufhin sprach der Erhabene zu Đe Ghê: „Ein ruhiger Geist. Ein liebendes Herz. Ein friedliches Wesen. Ein fester Glaube. Ein hohes Ziel. Dies sind die fünf Säulen des Tempels, den sich mein Selbst zur Wohnstätte errichtete. Darin liegt alle Gewissheit. Und siehe: dies ist, was ich weiß: Erleuchtung kommt zu jedem, der danach verlangt – so auch zu dir – denn jeder Geist in dieser Welt verlangt danach – irgendwann. Die Erleuchtung liegt zugrunde in jedem Augenblick. So lehrt es uns die Bestimmung jenseits der Zeit.“

Đe Ghê fragte: „Meister, wie viele Jahre des Verlangens haben euch eben dorthin zu dieser Erkenntnis geführt?“

Der Meister sprach: „Die Zeit, die ein Geist zur Erleuchtung braucht, hängt davon ab, wann jemand dazu bereit ist, folgendes anzunehmen: Im ewigen Frieden zu sein bedeutet lediglich, aufzuwachen aus dem trüben Traum über die Unvollständigkeit. Wir sind vollständig — zu jeder Zeit. Die Verwirrung kommt aus einem Gefühl der Getrenntheit. Die Verinnerlichung allgegenwärtiger Ganzheit gebärt Weisheit. Suche nicht nach der Erleuchtung, noch warte auf ihr Eintreffen in deinen Geist. Du wirst ihr gewahr in dem Moment, in dem du mit offenen Augen siehst, dass es der Glaube an die Unvollständigkeit in dir gewesen ist, der dein vollkommenes Selbst zu verschleiern schien. Sieh, dass Unvollkommenheit nicht existiert, und du bist vollkommen. Sieh, dass es Trennung nicht gibt, und du bist vereint. Sieh, dass alles um dich herum heilig ist, und fürwahr: du selbst bist es im Gewahrsein dessen gleichermaßen. Dann wirst du erkennen, dass deine Reise, die über all dein Leben hier und jetzt hinausgeht, ihr Ziel erst dann erreicht, wenn dein Zustand derjenige ist, der dem Zustand deiner unsterblichen Natur entspricht: zu sein inmitten immerwährender Ewigkeit in Liebe, Frieden und Glück.“

Schlüssel zur Weisheit

Đe Ghê fragte den Meister: „Meister, worin liegt der Schlüssel zur Weisheit?“

Der Meister beugte sich tief hinunter, tastete über den unebenen Boden, hob einen Kieselstein empor und sprach zu seinem Schüler: „Nimm diesen Stein. Er wird dich lehren, was die Zeit dich nicht zu lehren vermag. Er wird dir offenbaren, was deine Augen zu sehen nicht im Stande sind. Er wird dir geben, was zu nehmen dir bislang niemals in den Sinn kam. Somit ist dieser Stein einer von vielen Schlüsseln zur Weisheit. Aber ohne jemanden, der die Wirklichkeit in ihm zu lesen vermag, ist dieser Stein bloß ein unwesentliches Ding in einer unwirklichen Welt. Ohne Schüler kein Lehrer. Ohne Unwissenheit kein Erkennen. Ohne Verlangen keine Erfüllung. Ohne Wurzel kein Baum. Siehe: Es gibt viele Schlüssel für die Weisheit, doch die Weisheit selbst erzeugt die Form ihrer Erkenntnis. Wisse: Du selbst bist das Tor, das der Weisheit ihren gesicherten Einlass gewährt. Lasse hindurch, was für den Eintritt bestimmt ist. Was ist für den Eintritt bestimmt, magst du nun also fragen? Es ist Alles, was dich mit allen und allem im Geist und im Herzen vereint. So kommt gleichfalls auch zu dir: die Weisheit zu passender Zeit.“

Drei Schritte zur Weisheit

Der Meister sprach: „Es gibt fürwahr mehrere Wege, die zur Weisheit führen. Drei Schritte gibt es, die ein jeder auf seinem Wege gehen kann – so ist die Weisheit ihm gewiss. Der erste Schritt ist, sich tiefen und friedlichen Herzens das Herbeikommen der Weisheit zu wünschen. Der zweite Schritt ist, ohne jegliche Erwartungen der Weisheit Kommen nicht unnötig zu stören. Der dritte Schritt besteht darin, die Weisheit in Bescheidenheit anzunehmen.

Oft fordert der Zweite Schritt von jeglicher Zeit den größten Teil, da der Wunsch nach Weisheit besondere Erwartungen sowohl voraussetzt als auch nach sich zieht. Doch Weisheit ist nichts anderes, als die lichte Erkenntnis im ewigen Geiste durch die ruhige Spiegelung dessen, was ist. // Liebe währt ewig. Währt es nicht ewig, so ist es nicht Liebe. Das ist Weisheit. // Sieh her: Dies ist eine Schale mit Wasser. Wenn ich an ihr rüttle, so ist die Oberfläche unruhig, gestört und verwirrt. Aber nur das ruhige, stille Wasser spiegelt den Himmel in seiner vollkommenen Klarheit. Und eben so: ist der ruhige Geist fähig zur Weisheit, weil der unruhige Geist eben dies nicht sein kann. Lege ab all deine Erwartungen an das Erlangen von Weisheit, so wird dein Geist zur Ruhe kommen können, in der die Weisheit dir das zeigen kann, was durch dich hindurch zum Bild der Wirklichkeit wird. Kurzum: Wisse um den möglichen Zustand des Erlangens von Weisheit, doch jage der Weisheit nicht hinterher. So kommt sie erst dann, dies aber gewiss, wenn die sanfte und ruhige Reinheit des Geistes sie liebevoll willkommen heißt.“

Der ruhige Geist

Đe Ghê fragte den Meister: „Meister, gibt es tatsächlich ein Ego, einen reinen Verstand, eine Seele und den vereinten Geist? Wer bin ich wirklich?“

Der Meister antwortete: „Suche den Raum zwischen deinen Gedanken — dort findest du dich selbst.“

Liebe (1)

Schüler Đe Ghê fragte seinen Lehrer: „Meister, was ist Liebe?“

Der Meister zog sein Gewand zurecht, holte mit der flachen Hand aus, stieß seinem Schüler damit leicht an die Stirn und blickte zu Boden. Đe Ghê wich erschrocken zurück und sah demütig sowie nach einer Antwort suchend in das Antlitz des großen Meisters.

Đe Ghê fragte zaghaft: „Meister, warum habt ihr das getan?“

Der Meister schaute seinem Schüler in die Augen und sprach mit ruhiger Stimme: „Entschuldige bitte, Đe Ghê. Sag, kannst du mir meine Tat vergeben?“

Der Jüngling antwortete: „Ihr seid mein Meister und stets auf mein Wohl bedacht, ungeachtet eurer eigenen Größe. Sicher vergebe ich euch diesen Streich. Mehr noch als dies. Euch werde ich alles verzeihen, denn das ist es, was ihr mich lehrtet.“

So sprach der Meister: „Siehe Đe Ghê, so hast du bereits eine gültige Antwort auf deine erhabene Frage gefunden. Nun will auch ich mir vergeben, weil eben dies zu derselben Antwort dazugehört. Wisse: In wahrer Liebe zueinander werden wir uns gegenseitig niemals ernsthaft verletzen wollen. Liebe ist die ständige Wiederkehr eines Friedens, der über alles hinaus geht, was Leid tut.“


Vom Wachsen und Sein

Đe Ghê fragte seinen ehrwürdigen Lehrer: „Meister, was ist es, das mich fortwährend dazu bewegt, das große Mysterium des Lebens in all seiner unfassbaren Weite begreifen zu wollen?“

Der Erhabene sprach daraufhin: „Die Lotosblume gedeiht, weil sich ihre Wurzeln hinunter in die Tiefe wagen. So treibt es auch dich gleichermaßen zu den tieferen Gründen allen Seins, währenddessen du im Licht der Erkenntnis beständig nach oben wächst.“

Đe Ghê bat seinen Meister um eine Erklärung.

Der Meister antwortete: „Die Sonne scheint. Der Regen fällt. Die Blume wächst. Weder fragt sich die Sonne noch der Regen oder die Blume, was genau zu tun ist. Gesundes Wachstum vollzieht sich auf eine eigene, vollständige Weise. So ist es gegeben. Frage eifrig nach dem Grund allen Anscheins. Denke niemals, dass es keinerlei Gründe gibt. So wirst du finden, dass es am Ende die Ganzheit ist, ohne die niemand von uns zu wachsen im Stande wäre. Frage dich: 'Wer bin ich?' – und die Antwort wird dir gegeben. Frage dich: 'Was soll ich tun?' – und die Antwort daraufhin wird dir klar. Doch ganz besonders einer Sache sei dir gewiss: Dein Weg mag dich durch in Schatten getauchte Täler und über hell erleuchtete Gipfel führen. Du magst die Triebe der Ganzheit zu deuten versuchen, wann immer du sie spürst. Doch erst in jenem hellen Lichte deiner selbst, der du allen Lebewesen einen Frieden bringst, welcher Kummer nicht kennt und grenzenlos strömt, wirst du mit der Vollkommenheit des Ganzen dich verbinden. Es ist der Frieden, der zu uns kommt, weil er von uns ausgeht. Dorthin gelangen zu wollen bedeutet, bereits dort zu sein. Das ist Wachstum in schönster Form.“

Gerechtigkeit

Der Meister erzählte von seinen Gedanken: „Stell dir vor, du weiltest unter jenen Menschen, die vor 1000 Jahren auf dieser Welt aßen, tranken und lebten. Du wirst über die meisten vergangenen Kulturen zweifelsfrei sagen können, dass in ihnen viele niederträchtige und schlechtgesinnte Geister wüteten. Du könntest darüber urteilen, dass viele Menschen das Unrecht zu ihrer Zeit weder erkannten oder eingestanden, noch, dass sie es zu jener Zeit vermochten, die Missstände zu verhindern oder gar zu ändern. Darüber hinaus galt sogar oftmals das, was wir heute als Unrecht begreifen, einst noch als ein gelungenes Recht zu eben jener Zeit. Es ist so: Zu allen Zeiten gab es Menschen, die anderen Menschen befahlen. Stets litten auf dieser Welt vom Glück Verlassene, die unterdrückt und geknechtet worden sind. Große Verbrechen wurden in Anrufung großer, ja sogar heiliger Namen begangen – und kleine Verbrechen wurden im Verborgenen heimlich und unentdeckt verübt. Ein Krieg zweier Nationen gegeneinander ist nicht mehr und nicht weniger von Bedeutung für den Wandel der gesamten Menschheit, als eine gestohlene Schale mit Reis, ein geohrfeigtes Kind oder ein festgeketteter Hund. Wenn du seelenruhig schläfst, und unten im Dorf tötet der trunkene Fischer seine Frau, ist die Gerechtigkeit dann bei dir, weil sie eben dort nicht ist? Sage mir, was kann Gerechtigkeit anderes sein, als ein ewig andauernder Frieden? Zu jeder Zeit. Überall. Siehe: Gerechtigkeit hat keine fassbare Erscheinung in der Ganzheit dieser Welt. Entweder sie ist, oder sie ist nicht. Aber so wie es scheint, kann sie hier nicht sein, da sie in genau diesem Augenblick an einem anderen Ort fürwahr nicht ist. Kannst du dem zustimmen?“

Der Schüler Đe Ghê nickte zaghaft und lauschte weiter den Worten des Meisters.

Der Lehrer fuhr indes fort: „Stell dir vor, wie ein rechtschaffener Mensch aus vergangen Tagen in die heutige Zeit hineinversetzt und auf die unsrige Gesellschaft blicken würde. Müsste ein solcher Mensch nicht mit gleicher Strenge über unsere Welt urteilen, wie wir über seine? Siehe: Wir können von Jahrtausend zu Jahrtausend zu Jahrtausend durch die Zeit wandeln, und immer werden wir feststellen: dass sich die Menschheit ihr Elend unablässig selbst erschafft. Du kannst annehmen, dass es immer so war, dass es immer so ist und für immer so bleibt. Du kannst versuchen, dass Ungerechtigkeit, wie du sie siehst, sich so gering wie eben möglich ausbreitet. Du kannst deinen Teil dazu beitragen, dass du der Ungerechtigkeit widersprichst und dich für die Gerechtigkeit stark machst – ungeachtet dessen, dass jeder Mensch ein eigenes Bild davon hat, was gerecht zu sein scheint.

Doch erkenne: Was wahrhaft gerecht ist, liegt jenseits dessen, was unsere Augen im Leid oder Glück zu sehen vermögen. Die Aufhebung des Leidens liegt keineswegs in einer Wirklichkeit, in der die menschliche Wahrnehmung, vom Zwang des ständigen Urteilens ganz wahnsinnig geworden, Mal für Mal in eine andere und doch gleichermaßen leidtragend bleibende Welt hinein irrt.

Das Tor, durch das wir gehen, um die Welt des Leidens zu verlassen, um in den EINEN Frieden einzukehren, finden wir weder im Leben noch im Tod – da beides bloße Illusionen unserer eigenen geistigen Schöpfungen sind. Weder hoch im Himmel noch tief in der Schlucht liegt Erlösung. Sie führt nicht ins Nichts, sondern leitet uns über all das hinaus, was wir wahrnehmen können – bis hinein in die große, ewige und einzige Einheit, die eine friedliche Einkehr in sich selbst durch einen jeden Geist hier auf Erden liebevoll erwartet. Das Tor zum Frieden auf Erden, durch das wir seit Anbeginn der Zeit zu gehen berufen sind, liegt in uns selbst. Den Weg, den wir von dort aus nehmen, beschreiten wir aber niemals allein. Wenn ein Geist diesen Weg gegangen ist, so ist seiner Wahrnehmung von Zeit und Raum ein Ende gesetzt, da er der Ewigkeit zurückgegeben worden ist. Von dort strömt die Liebe immerzu – hin zu allem, was sie mit ihrem Kommen segnet, um es friedvoll mit sich zu nehmen und in die ewige Einheit zurück zu führen. So habe ich eine gute Nachricht für dich, mein ehrenwerter Schüler: All dies ist uns bereits anvertraut, und es liegt in unserem eigenen Ermessen, dies anzuerkennen. Erkenntnis ist Teil unseres Lebens hier auf Erden. Deswegen sprichst du zu mir, und ich zu dir. Doch erst durch die Aufhebung dessen, was wahr erscheint, tritt Wahrheit zutage.“

Der rechte Weg

Đe Ghê fragte seinen ehrwürdigen Lehrer: „Meister, ständig verlangt mir das Leben Entscheidungen ab. Für oder wider eine Sache. Etwas Gutes oder etwas weniger Gutes kann ich erwarten, wenn ich mich für oder gegen etwas entscheide. Doch wie weiß ich, was zu tun ist? Wie erkenne ich den rechten Weg? Sagt mir, mein ehrwürdiger Lehrer, was kann ich tun?“

Daraufhin sprach der Meister: „Was du tun kannst, fragst du mich? Siehe: Wenn du von der Sonne abgewendet gehst, so geht dir dein Schatten stets voraus – wenn du der Sonne entgegengehst, so folgt er dir. Du meinst: Wie du dich auch entscheidest, so hängt dein Heil von deiner Entscheidung ab? Das aber ist nur bedingt von Bedeutung, obgleich eine Ursache eine tatsächliche Wirkung hat. Dennoch ist es die Sonne, die ungeachtet deiner Entscheidung dort oben am Himmel steht. Sie weiß weder von deinen Urteilen, noch könnte sie jemals von diesen gestürzt werden. So wisse, dass wie auch immer du dich entscheiden magst, das Leben in großzügigen Bahnen verläuft – mit dir – und alles nimmt dabei Bezug auf das große Licht, das uns nie verlässt. Sei dir gewiss: Wenn du dich bemühst, keinen Schaden anzurichten und in Frieden zu leben, so wird dies dir niemals zum Nachteil gereichen. Die Sonne geht auf, mit dir, Tag für Tag. Sei dankbar für diese Tatsache und entscheide dich stets dafür, dass du und jedes dir anvertraute Lebewesen deine Dankbarkeit als eine Wohltat erfährt. So gehst du immer den rechten Weg.“

Lehren lernen

Der Meister sprach: „Die Menschen werden nicht dadurch edel, dass sie voneinander lernen, das Schlechte zu hassen, sondern dadurch, dass sie einander lehren, das Gute zu lieben.“

Der geschlossene Kreis

Nachdem sich der Lehrer von seiner morgendlichen Andacht erhoben hatte, trat der folgsame Schüler Đe Ghê an seine Seite und sprach: „Meister, gestern sah ich, wie drei Knaben am Rande eines Weizenfeldes miteinander spielten. Ich beobachtete das freudige Treiben mit liebevoller Aufmerksamkeit. Ein jeder übte sich im Geschick und versuchte, mit kleinen Tonkügelchen die Kugeln der Rivalen abzunehmen und für sich selbst hinzuzugewinnen. Nach einer Weile brach ein Streit unter ihnen aus, wobei zwei der Jungen den Kleinsten bezwangen und ihm alle Kugeln spöttisch abnahmen. Daraufhin rief ich ihnen laut zu und forderte die beiden Stärkeren auf, die Kugeln an den Jüngsten zurückzugeben. Sie taten, wie ihnen gesagt wurde und verschwanden daraufhin allesamt hinter dem Feld. Bitte sagt mir, mein ehrwürdiger Lehrer, handelte ich gerecht?“

Der Meister antwortete: „Gut hast du entschieden, mein lieber Schüler. Lehrreich und verantwortlich. Hätte ich an deiner Stelle vielleicht gewartet und gesehen, wie alles sich entwickelt, so ist dein Ansatz gleichfalls von erhabenem Wert. Was aber ist Gerechtigkeit? Stell dir vor, der Junge, dem die Tonkugeln weggenommen wurden, hatte diese zuvor auf gleiche Weise an sich gebracht, wovon du fürwahr nichts wissen konntest. Und wenn er sie einem anderen Kind stahl, handeltest du somit möglicherweise weit weniger gerecht, als du zuvor noch dachtest? Spielt dies alles überhaupt eine entscheidende Rolle, wenn man der Ursache für unser Empfinden von Gerechtigkeit auf den Grund gehen will?

Also frage ich dich: Was ist Gerechtigkeit? Und du selbst frage dich aufrichtig: Wenn es Gerechtigkeit gibt, wird sie am Ende etwas sein, das ein jeder sich wünschst als ein universelles Gesetz, das auf alles und alle zurückgeführt wird; oder ist Gerechtigkeit etwas, das ein jeder vielmehr zu fürchten hätte, weil niemand je in der Lage sein kann, in seinem eigenen Leben vollkommen gerecht zu handeln und demnach irgendwann selbst der Gerechtigkeit als ein Teil ihres Gegenteils zugeführt werden muss?

Was also ist Gerechtigkeit, wenn nichts anderes als der schiere Glaube an die Wiederherstellung eines Mangels – indem man gewillt ist, eine vermeintlich schlechte Tat durch eine vermeintlich bessere Tat zu entschuldigen?

Und: Ist es nicht so, dass wir eben dadurch einen andauernden Kampf gegen die Welt mit zweierlei Waffen erschaffen: Unser Recht wird geführt gegen alles, was uns in unserem Glauben als ein Unrecht erscheint?

So wisse: Alles ist in allem heilig. Und obgleich wir uns für unser Handeln stets speziell zu entscheiden haben, wenn uns Akte der Gewalt, des Raubes, der Folter, der Demütigung oder der Verspottung im Leben begegnen, so können wir trotzdem danach streben, uns von unseren begrenzten Urteilen zu befreien, in denen wir danach trachten, die Welt zu entzweien, in das, was augenscheinlich gut, und das, was augenscheinlich schlecht zu sein scheint.

Merke: Vielmehr ist es das milde Wesen in uns, das uns wahrhaftig sagen wird, was allgegenwärtig begrüßenswert ist – unabhängig davon, was unser zwischen Ideen von Gut und Schlecht umherirrende Geist davon denkt. Dieses Wesen ist in jedem Augenblick in dir zu finden, außerhalb von Tag und Nacht und jenseits von warm und kalt. Und doch: stets inmitten von alledem.

Erkenne: Nichts was du siehst, denkst, fühlst und erlebst, kann der Güte nicht dienlich sein, wenn du dich wirklich dazu entschlossen hast, Güte als stets allgegenwärtige Kraft in dieser Welt vorauszusetzen. Alles läuft darauf hinaus, dass uns das große Leben lehrt, welch unermesslicher Gewinn darin liegt, die Einheit in allem zu begrüßen, anstatt der Trennung andauernd anzuhaften. So ist Gerechtigkeit nichts weiter als eine zweischneidige Idee, die sich immer durch sich selbst in ihr eigenes Gegenteil verkehrt. Erst wenn du Stille weilen lässt, so kann dir darin eine Antwort gegeben werden. Erst wenn du den Gedanken von Gerechtigkeit vollkommen aufgibst, erst dann kann sie wahrhaftig zur Wirklichkeit werden. Das erscheint paradox, doch bedenke: Wo Licht ist, kann Dunkelheit nicht sein. So ist Vollkommenheit immer dort, wo die Entzweiung der Welt in Unrecht und Recht, in Gut und Schlecht nicht existiert. Dies besagt: Solange du Ungerechtigkeit in der Welt siehst, wirst du im selben Zuge dazu gebracht, Gerechtigkeit dagegen anwenden zu wollen. Dies besagt auch: Wenn du aufgehört hast, Ungerechtigkeit zu sehen, so bist du davon erlöst, sie bekämpfen zu wollen. Die Erlösung der Welt wird erst dann vollkommen sein, wenn kein Mensch der Welt mehr danach trachtet, Gerechtigkeit von sich aus hervorbringen zu müssen, eben weil Ungerechtigkeit nicht länger existiert. Solange dieser Tag nicht gekommen ist, bleibt alles unter den Menschen ein andauernder Kampf in einem geschlossenen Kreis. Was also ist Gerechtigkeit, frage ich dich?“

Đe Ghê blickte in die endlos scheinende Tiefe inmitten seines Lehrers Augen. Sodann rief der Meister seinen Schüler auf, mit ihm zusammen die Gewächse im Kräutergarten des Tempels zu pflegen. So trug es sich zu.

Kostbarkeit und Segen

Der junge Schüler Đe Ghê sprach zu seinem Meister: „Meister, heute Morgen wurde ich von einem Bettler verfolgt, weil ich ihm nicht von den Münzen geben mochte, die ich von Euch für die wöchentlichen Besorgungen im Dorf bekam. Der Bettelmann drohte mir mit seinem Stock und klagte mich des Hochmuts an. Ich bekam Angst und rannte davon. Bitte sagt, mein ehrwürdiger Meister, was hätte ich tun können?“

Der Meister antwortete: „Angst begegnet dir oftmals in Gestalt eines Räubers – dieser stiehlt dir stets von jenem Schatz, von dem du selbst wiederum nimmst, um in starken Momenten deinem Mut etwas davon zu reichen. Welchen von beiden, der Angst oder dem Mut, du die größte Aufmerksamkeit zuteilwerden lässt, den machst du eben dadurch reich und mächtig. Wisse: DU bist die Quelle der Kostbarkeit, die niemals versiegt.

Du fragst mich, was du tun kannst? Lass los die Angst vor den harmlosen Dingen, die in der Welt passieren, und lass den Mut seinen eigenen Lohn verdienen – die meisten seiner Errungenschaften werden dir zugute kommen. So bleibt dein, was dir gehört, auf dass du mit anderen teilen kannst, wovon du reichlich hast. Finde das Glück deiner Großzügigkeit, indem du selbst empfängst, was du anderen gibst. Gib täglich Freude, und sie kommt auf ein Vielfaches zu dir zurück. Schenke Liebe, gar uneigennützig, und sie fließt erneut zu dir, um wiederum durch dich zu sein. Schenke einem Bedürftigen stets ein Lächeln und ehrliche Aufmerksamkeit, und du erhältst Zins dafür, indem dein Glück wie ein Samenkorn in der Welt aufgehen wird und tiefe Wurzeln und frische Triebe hervorzubringen vermag. Begegne der Wut stets mit Gelassenheit. Beantworte Beschuldigung mit liebevollem Blick. Wer könnte dich aufgrund dessen in Wirklichkeit kränken? Unverletzlichkeit ist ein präsenter Ausdruck der erhabenen Haltung.

Frage dich selbst: Wer lernt von wem? Wisse: Du bist Schüler und Lehrer zugleich. Gehe also dahin und bring dem Bettelmann eine Schale von dem Reis, den du soeben bezahltest, und gib ihm auch vom gemischten Gemüse und vom erfrischenden Fruchtsaft. Sei dankbar, nicht ausschließlich dafür, was jemand dir gibt, sondern gleichfalls dafür, wenn man Gutes von dir nimmt. Wie könnte so unser Glück jemals schwinden? Lass uns Freude darüber empfinden, dass das Leben durch augenscheinliche Schwierigkeiten uns stets nach unseren Stärken befragt, auf dass wir mit wahrhafter Stärke zur Antwort geben können: 'Hier bin ich. Teil des Ganzen. Eins in Allem. Durch mich. In mir. Mit dir. Für uns.' – dies sei unser Segen für die Welt. Nicht immer werden wir imstande sein, den Segen auszuführen, doch entspricht es unserem ehrwürdigen Ziel, so gut es geht danach zu streben.“

Schatten und Licht

Der Meister sprach: „Nicht weil wir nicht müssen, sondern weil wir nicht möchten – erst dadurch entfernen wir uns vom Schlechten. Nicht weil wir müssen, sondern weil wir wollen – erst dadurch schreiten wir zum Licht.“

Gefahr und Verlust

Der Meister sprach: „Gefährlich ist eine Menschheit, die über alle Maßen von sich selbst überzeugt ist. Verlassen ist eine Menschheit, die nicht an sich glaubt.”

Zeit

Der Meister sprach: „Dem Geduldigen ist Zeit ein guter Freund.”

Gut

Der Meister sprach: „Wenn Vertrauen und Geduld ineinander fließen, sich vereinen, in Reinheit, dann ist es: gut.”

Auskunft

Der Meister sprach: „Das, was du über jemanden sagst, geht zurück auf dich – im Guten wie im Schlechten. Wenn du über einen Menschen verächtlich spottest, so begibst du dich gerade dadurch – in diesem Moment – unter dessen Würde, die zu achten du nicht imstande bist. Dein Spott gibt mehr Auskunft über dich, als über die Person, von der du sprichst. Darum prüfe stets sorgfältig deine Gesten und Worte, und erkenne deine Absicht!”

Liebe

Der Meister sprach: „Liebe? Was ist Liebe? Liebe ist Weisheit durch Güte zum Leben. Liebe ist einzig und allein von sich aus fähig, überall zu wachsen und überall zu sein – ganz ohne Bemühung, sondern lediglich und insbesondere durch die gutmütige Anerkennung dessen, was ist.”

Lohn

Der Meister sprach: „Dankbarkeit trägt ihren Lohn in sich selbst.”

Meer

Der Meister sprach: „Alle Menschen sind Flüsse, die in dasselbe Meer fließen. So sind unsere Wege unterschiedlicher Natur, und dennoch münden wir im großen Ganzen. So, wie jedes unserer Leben eine eigene Handschrift trägt, so sind auch unsere Wege kalligraphisch individuell geschwungen. Auch darin zeigt sich einmal mehr: Schönheit in ihrer ganzen Vielfalt.”

Wie du es hältst

Der Meister sprach: „Weisheit bedeutet nicht Wissen, Weisheit bedeutet vielmehr Haltung.”

Moment

Der Meister sprach: „Ebenso wichtig wie das Gesagte, Geschriebene – also das Geäußerte selbst – ist der Moment, durch den es verstanden wird.“

Augenblick

Der Meister sprach: „Für das Individuum, welches leidet, zählt im Augenblick nichts mehr, als das zugefügte Leid am eigenen Selbst.”

Weisheit

Der Meister sprach: „Weisheit: Freude kommt. Leid kommt. Freude vergeht. Leid vergeht.”

bitter-süß

Der Meister sprach: „Für das Ego gilt: Wahrheit schmeckt allzu oft bitter, Illusion hingegen köstlich und süß.”

Schatten

Der Meister sprach: „Es ist nicht die Sonne, die die Schatten wirft, sondern es sind die Dinge, die sich ihr entgegenstellen.”

Fesseln

Der Meister sprach: „Demjenigen aber, der in Fesseln am Boden liegt, erkläre weder die Schönheit der Welt, noch beschreibe ihm den lieblichen Duft der Rosenfelder, sondern löse seine Ketten und hilf ihm, das Schöne und Gute selbst zu erfahren. Findest du jemanden in hilfloser Traurigkeit vor, so spende dem Trauernden frischen Mut, sodass er von sich aus danach strebt, den Zauber der wiederkehrenden Sonne zu suchen und der Großartigkeit des Lebens in Einklang beizuwohnen.“

Licht

Der Meister sprach: „Wer sagt: 'Ich will lieben!' weiß: 'Ich werde leiden.' Wahre Liebe aber nimmt das Leid von unseren Schultern, denn dort wo Licht ist, kann Dunkelheit nicht sein.“

Vom Frieden

Der Meister sprach:

In Frieden will ich leben,
in unermesslich gütigem, großherzigem Frieden –
und dieser Friede ist unabhängig von Zeit und Raum.

Ich kann ihn leben im Gefängnis,
ich kann ihn leben in der lauten Stadt,
ich kann ihn leben überall, wo ich fähig bin, ihn zu empfinden.

Er ist: in mir!

Wenn er nicht in mir ist, so finde ich ihn nirgendwo sonst auf der Welt.
Wenn er in mir ist, so finde ich ihn überall!“

Immer da

Der folgsame Schüler Đe Ghê berichtete seinem Meister, was ihm am Morgen widerfahren war: „Ehrwürdiger Meister, heute Morgen sah ich einen Mann mit seinem Kind am Brunnen sitzen. Der kleine Junge blickte neugierig in die Luft, zählte die Vögel auf dem Dorfplatz und träumte mit offenen Augen hinüber zu den Nebelfeldern am Fuße der Weißen Berge. Nach einer Weile nahm der Sohn aus dem Korb des Vaters eine Kirsche, ließ diese in den Brunnen gleiten und schaute dem tiefen Fall der Frucht freudig hinterher. Daraufhin zog der Vater einen Schuh vom Fuß und holte zum Schlag aus. So schnell es ging, schritt ich ein und hielt den Arm des Mannes zurück, um ihn davon abzuhalten, Gewalt anzutun. Das Kind weinte sichtlich erschrocken und der Vater ließ mich seine Verbitterung in Wort und Blick deutlich spüren. Ich war sehr wütend in jenem Moment und hegte einen zornigen Groll gegen den Tobsüchtigen. Ich tröstete das Kind und gab ihm von den Früchten, die ich auf Euer Geheiß hin zuvor besorgt hatte. Nachdem der Junge ruhiger geworden war, ließ ich ihn mit seinem Vater zurück, jedoch mit dem anhaltenden Gefühl von Unvollkommenheit in mir. Dies ist es nun, was mein Gemüt noch immer beschwert. Bitte sagt mir, mein ehrwürdiger Lehrer: Was ist zu tun?“

Daraufhin sprach der Meister mit einem Ausdruck von sanfter Güte im Blick: „Liebe ist Erlösung von jeglichem Schmerz. Die Anwesenheit von Liebe ist stets gegeben, und Liebe weist von sich aus immer der Friedfertigkeit den Weg. Dass der Vater seinen Sohn schlug, bedeutet nicht, dass er ihn nicht liebt. Doch versteht der Mann nicht, aus welchen Gründen auch immer, dass das, was er gibt, er sogleich empfängt. Wenn er seinen Sohn bestraft, so bestraft er gleichfalls dadurch sich selbst. Belohnt er sein Kind mit liebevoller Geste, so belohnt sich der Gebende ebenso selbst. So ist es, dass er empfängt, was er gibt.“

Weiter fuhr der Meister fort: „So frage ich dich, mein geliebter Schüler: Wenn du Groll gegen jemanden hegst, was erhältst du dadurch für dich selbst zurück? Wie leicht geschieht es nur allzu oft, dass Wut sich mit Wut arrangiert? Wisse: Du hast vollkommen richtig entschieden, den Vater vom Schlagen abzuhalten. Doch rate ich dir: Spiegele nicht den Zorn eines Menschen, indem du deinen eigenen Groll auf ihn legst – denn so bestärkst du lediglich die blinde Wut, deren Wirken du im Eigentlichen zu verhindern wünschst. Sag, ist es nicht so? Verstehe: Um die Widerspiegelung von Zorn im Zorn und von Gewalt in Gewalt zu beenden, bedarf es vor allem der Vergebung und Güte.

Vergib, was jemand getan hat, der in schwachen Momenten nicht dem Ruf der Liebe folgt. Weder urteile über jemanden mit dem Wunsch nach Vergeltung in dir, noch richte einen Menschen mit dem Gefühl von Groll in deiner Brust. Frage dich in solchen Momenten der inneren Aufruhr: Was möchte die Liebe jedem stets bringen? So ist es, dass aus Harmonie ein Frieden erwächst, und aus dem Frieden sprießen Freude und Glück. Lass dich dabei von einer ruhigen und friedvollen Haltung leiten, um der Gewalt mit dem Gebot besänftigendem Einhalts und dem Zorn mit zärtlicher Güte Antwort zu geben. So ergibt es sich, dass wir einen glücklichen Ausweg finden können aus der weltlichen Spiegelung der Schuld, die sich Mal um Mal selbst reflektiert. Wenn du dem Vater durch dein liebevolles Gemüt offenbarst, dass sich niemand deiner Vergebung voll und ganz entziehen kann, weil wahrhafte Liebe dein Herz erfüllt, dann wird auch er nicht umhin können, dass das, was er empfängt, er anderen wiederum gibt. Beharre nicht auf einem Konzept der Schuld, sondern führe die Menschen mit steter Güte zur Liebe. Von innen fließt sie nach außen, und von außen fließt sie nach innen. Sperre dich nicht gegen den ständigen Fluss der Liebe, so wirst du glücklich, da du weißt: Der Strom der Liebe fließt ewig und ihre Quelle, die jenseits aller Gedanken liegt, versiegt nie. Wenn du gewillt bist, daraus zu schöpfen, um dir und anderen davon zu reichen, so wird die Liebe immer bei dir sein, auf dass du sie gibst. So wandelt sich die Unvollkommenheit hin zur Vollkommenheit.“

Der junge Đe Ghê verstand die Worte des Meisters sehr wohl, bedankte sich in einer wertschätzenden Verbeugung und erhob sich, um daraufhin der gemeinschaftlichen Meditation im Großen Saal des heiligen Tempels beizuwohnen.

Wie kann ich dich beeindrucken?

Der Meister las aus seinen Aufzeichnungen vor, die er einst als junger Schüler niederschrieb:

Fragt der Schmetterling den Sonnenstrahl: „Wie kann ich dich beeindrucken?“
Gibt der Sonnenstrahl zur Antwort: „Was wäre die Welt bloß ohne dich?“

Alles in Allem ist Alles vollkommen,
Wahrhaftiges ist niemals ohne Wichtigkeit.
Was uns Glück und Frieden bringt, liegt in uns selbst.
Und eben daraus erwächst die Welt, wie wir sie sehen.

Fragt die Blume den Himmel: „Wie kann ich dich beeindrucken?“

Gibt der Himmel zur Antwort: „Oft wollen wir nichts lieber tun, als mehr zu sein, als das, was wir bereits schon sind. Dabei: Erst durch uns Selbst – dein und mein – ist die Welt in sich vollkommen. Sorge dich nicht darum, mich zu beeindrucken, sondern schöpfe Glück aus deinem Duft, auf dass du liebst, was du bist. So ist die Liebe immer dir gewiss.“

Das Prinzip der Ganzheit

Der Meister sprach zu Đe Ghê: „Höre mir zu, junger Schüler: Welche Atemzüge bereiten dir mehr Freude? Sind es jene, durch die du Luft in deinen Körper hineinziehst, oder solche, mit denen der Atem dir entweicht? Oder sage mir: Erscheint es dir genüsslicher, wenn sich das Herz mit deinem Blute füllt, oder ziehst du es vor, wenn dein Herz das Blut aus sich herausstößt?“

Der Schüler blickte seinem Lehrer nur ratlos entgegen.

Daraufhin fuhr der Meister fort: „Wenn wir geneigt sind, so können wir uns sogar auf solche Fragen eifrige Antworten zurechtlegen – aber warum sollten wir das tun? Erkenne: Im Zusammenspiel von Gegensätzlichkeiten mögen wir vielleicht einer bestimmten Richtung oder einer gewissen Empfindung den Vortritt lassen, indem wir je nach Vorliebe oder Haltung ein Urteil über eine Sache fällen. Doch was könnte unser Urteil für oder gegen etwas bewirken, wenn es offensichtlich das Zusammenspiel des Ganzen ist, durch dessen Vollständigkeit die Funktion überhaupt erst erfüllt wird? Zeige mir also denjenigen, der es vorzieht, nur noch einzuatmen, oder jemanden, der sein Blut in lediglich eine Richtung fließen lässt. Du wirst niemanden finden, der das vollbringt, eben deswegen, weil es hierbei das Prinzip der Ganzheit ist, das wirkt. Sei von nun an aufmerksam und wende dieses erhabene Verständnis vom Prinzip der Ganzheit zunehmend an, um nicht länger unnötig in irreführenden Anschauungen zu verharren. Gib das üppige Laster zwanghafter Beurteilung auf, und du wirst sehen: Das große Leben wirkt ungeachtet unserer Urteile aus sich selbst heraus vollständig und ganz. Darüber staune mit mir und nimm es als ein Geschenk für dich und für einen jeden an, mit dem du Freund sein wirst. Dies wird großen Frieden bringen.“

Die geliebte Haltung

Der Meister sprach: „Wenn es regnet und du nass wirst, haben es die Regentropfen dann darauf abgesehen, dich zu treffen oder bist du es sogar, der den Tropfen bei ihrem Fall zu Boden im Wege steht? Du meinst: weder noch? So hast du gut entschieden! Erkenne: In ach so vielen Angelegenheiten ist es gleichermaßen unnötig und anstrengend, sich eine Meinung bilden zu wollen – belassen wir es also einfach bei der puren Erfahrung, ohne wieder und wieder darüber zu spekulieren, was unserer Ansicht nach wohl oder übel ist. Ist ein Regenbogen für ein Kind nicht immer gewiss ein Grund zur Freude? Derart ist die geliebte Haltung des Erleuchteten: herzlich und rein.“

Vom Wandel

Der Meister las aus seinen Aufzeichnungen vor: „Heute Morgen wachte ich auf, sah durch ein Fenster, hörte die Vögel singen, schaute den Wolken bei ihrer stillen Fahrt am Himmel hinterher und dachte, was für ein glücklicher Zufall es doch ist, dass sich die Erde dreht.“

Vom Erkennen des Unerkannten

Schüler Đe Ghê stieg zusammen mit seinem Meister hinab in eines der Dörfer am Rande der Weißen Berge, um wöchentliche Besorgungen zu erledigen. Als sie an einem Feld vorbeigingen, kreuzten die beiden Mönche den Weg eines alten Bauern, der vor seinen Karren einen kräftigen Ochsen gespannt hatte und diesen mit der Peitsche antrieb. Der Meister verbeugte sich vor dem Ochsen und sprach: „Friede sei mit dir, mein ehrwürdiger Lehrer!“

Der junge Schüler runzelte daraufhin leicht verwirrt seine Stirn, blieb aber stumm. Einige Zeit später erreichten die Männer schließlich ihr Ziel. Unversehens eilte ihnen ein streunender Hund entgegen, auf der Jagd nach umherwehenden Stoffresten, abgebrochenen Zweigen und allerlei Unrat. Da beugte sich der Meister tief hinunter und begegnete dem Hund mit den Worten: „Friede sei mit dir, mein ehrwürdiger Lehrer!“

Der Jüngling runzelte erneut die Stirn und blieb abermals stumm. Des Abends zurück auf ihrem Heimweg, bat der Schüler nach stundenlangen Überlegungen seinen Begleiter dringend um eine Erklärung: „Mein geliebter Herr, wie kommt es, dass ihr in einem schuftenden Ochsen und in einem herrenlosen Hund eurerseits ehrwürdige Lehrer erkennt?"

Darauf gab der weise Gelehrte lächelnd zur Antwort: „Mein junger Freund, wie kommt es, dass du ebendies nicht erkennst?"

Vom Besten

Der Meister sprach: „Erkenne das Göttliche in dir und folge dem Licht der Erkenntnis. Erleuchtung erhellt die Welt, indem Gott sich in uns selbst erkennt. Dies ist einer jeden Seele festgesetztes Ziel. So ist alles ständig zum Besten.“

Vom Weg der Harmonie

Der Meister sprach: „Entsage dem Zorn – so wandelt sich Missklang in stete Harmonie und Glück schreitet durch die Tür deines Herzens.“

Von der Bedingung des Fundaments

Schüler Đe Ghê rezitierte die Kalligraphie seines Meisters: „Kein Gipfel ohne Berg.“

Vom Leben

Der Meister sprach: „Der Atem eines Mörders weiß nichts von der Schuld seines Herrn. Das Leben selbst urteilt nicht. Es lehrt.“

Vom Schatten der Finsternis

Der Meister sprach: „Angst ist wie ein Schatten in völliger Dunkelheit. Sie fürchtet am meisten, was nicht ist. Suchst du einen Ausweg, so erkenne den Widerspruch darin, und du wirst sehen: Das Unmögliche verschwindet ins Nichts.“

Vom Richten

Der Meister sprach: „Eher noch als der Wahrheit, fühlt sich ein Richter seinem Urteil verpflichtet.“

Zur Vielheit des Ganzen

Der Meister verbeugte sich vor seinen Schülern und sprach: „Eine Verbeugung hat denselben Stellenwert, wie der Flügelschlag eines Schmetterlings, wie ein herabfallendes Blatt, wie die Schmelze eines Schneekristalls, wie das Zirpen einer Grille, wie der Schall des Donners, wie der Gesang einer Lerche, wie der Schein einer Kerze, wie die Lautlosigkeit des blauen Himmels. Manche sagen, es sei nichts. Andere sagen, es ist alles. Wenn ihr euch vor einem Wesen in Demut verbeugt, so habt dabei immer im Sinn, dass sich euer Geist vor der Vielheit des Ganzen verneigt.“

Der gute Grund

Đe Ghê fragte den Meister: „Ehrwürdiger Meister, was hat es mit dem Schicksal auf sich?“

Der Meister sprach: „Sage mir, junger Schüler, wenn du eine Tulpenzwiebel in den Boden setzt, was wächst daraus?“

Đe Ghê gab daraufhin zur Antwort: „Eine Tulpe, ehrwürdiger Lehrer.“

Der Erhabene erwiderte: „Genau so ist es. Aus einer Tulpenzwiebel sprießt eine Tulpe, ein gesätes Weizenkorn verwandelt sich naturgemäß in eine Ähre. Dem Ei einer Taube entschlüpft eine Taube. Die Stute gebärt das Fohlen. Ein Mensch entstammt einem anderen Menschen. Der Werdegang des Ahornbaumes ist untrennbar verbunden mit dem Samen, dem er entspringt. Andererseits: Gibt es nicht außerdem den weißen Raben, der anders ist als alle anderen, und den wir doch zu Recht einen Raben nennen können? Es schritten bereits Kälber mit zwei Köpfen über den Boden der Erde. Ein Fuchs mit drei Beinen bleibt trotzdem ein Fuchs. Das Schicksal ist der Weg, den das Leben nimmt, um dorthin zu gelangen, wo es wächst, um zu werden, was es im Grunde ist. Jedes Lebewesen ist einzigartig und nimmt seinen Platz in dieser Welt ein – kein anderes könnte dies stattdessen auf eine vollkommenere Art und Weise erfüllen.

Und nun verrate mir: Was weiß ein einfacher Mann wie ich von den unvorhersehbaren Wendungen des Lebens in all seiner Fülle? Der Erwachsene gleicht oftmals einem Kind, das andächtig in den Sternenhimmel schaut und winzige Lichter in der Tiefe der Dunkelheit funkeln sieht. Je nach Neigung, doch sehr wahrscheinlich, findet ein Suchender in diesem großartigen Schauspiel mehr Fragen, als dass er Antworten darauf geben kann. Der versöhnliche Glaube an Schicksal bedeutet, im Ganzen einen bestimmten, einen wohlgesonnenen, einen guten Grund zu erkennen. Es ist ein Grund der Vollkommenheit. Es ist ein Grund von der Bestimmung aller Dinge, eine gültige Wirkung hin zum Besten zu sein. So bleibt das Schicksal als ein großes unbekanntes Konzept vor uns verschlossen, indem es die Bestimmung zu einem Mittel macht, das Anfang und Ende miteinander vereint. Von daher kommt es, dass du mir geduldig deine Fragen stellst und ich dir gerne Antwort geben will, so gut es geht.

Unsere Unterschiede gegenseitig zu würdigen, und uns doch einander gleich zu sein, das ist ganz offensichtlich Teil unserer Bestimmung. Was unser Schicksal ist, das allerdings vermag niemand ganz und gar zu sagen. So ist es egal, ob du auf die Idee vom Schicksal vertraust oder sie leugnest. Der unschätzbare Wert deines Wesens wird dadurch niemals in Frage gestellt.“

Vom Spiel der Erscheinungen

Aus den Aufzeichnungen seines geliebten Lehrers trug der Meister seinen Schülern einst folgenden Absatz vor:

„Ebbe und Flut, Aufstieg und Fall, hoch und tief, winzig und groß, Sieg und Niederlage, früh und spät – Bewegungen, Unterschiede und Zeitfluss sind kindische Erscheinungen des Alls, die nur im Unveränderlichen, im Zeitlosen, im Ewigen, im EINEN ihren Platz zum Spielen finden können. Erkenne dies und fühle dich geeint mit dem ewig Unveränderlichen, denn so ist Gott und so bist du, der du von Gott erschaffen bist. Betrachtest du den Wechsel von Tag und Nacht, so wisse um dich als den standhaftesten aller Zeugen. Die Wandlungen der Welt, sie grüßen dich auf ihre Weise. Jeder Unterschied erfährt seine Anerkennung innerhalb kosmischer Gelassenheit. Leugne beileibe die Trennung von Gott, denn Trennung von Gott hat nie existiert und kann nicht existieren. Alles Wahrhaftige steht im Verbund – ob sichtbar oder unsichtbar. Glaube dies, und du wirst sehen, dass alles, was ist, miteinander der Freiheit des Lebens dient, deren Natur immerzu liebevoll ist.“

Vom Schicksal II

Đe Ghê fragte den Meister: „Meister, was ist Schicksal?“

Der Meister sprach: „Hast du jemals einen Schmetterling sich wieder zu einer Raupe zurückverwandeln gesehen? Nein? Derart ist also das Schicksal: Wir werden, was wir sind.“

Wahrhaftigkeit

Der Meister sprach: „Wer weise ist, der liebt, und derjenige, der wahrhaft liebt, ist weise.“

Der Weg, das Tor und das Ziel

Der Meister sprach: „Das Leben ist ein Weg, der Tod ist ein Tor und wir selbst sind das Ziel.“

Regenbogenmoment

Schüler Đe Ghê las seine Notiz: „Gestern. Die Sonne schien. Über mir fing es an zu regnen – da wusste ich im selben Augenblick: Ich bin unter dem Regenbogen, den man aus der Ferne sieht. Welch schöner Moment.“

Zum Stand der Menschen

Đe Ghê klagte dem erhabenen Lehrer sein Leid: „Meister, heute Morgen wurde ich von Söhnen der wohlhabenden Familie des Mao-Zemin für mein schlichtes Gewand, meinen kahlen Kopf und meinen einfachen Stand verspottet. Woher nur rührt eine solche Art der Ungerechtigkeit?“

Der Meister sprach: „Der Ansicht zu sein, man sei besser gestellt als jemand anderes, ist Torheit. Zu meinen, man habe einen geringeren Wert als ein anderer, darin verbirgt sich Arroganz. Im Schlaf sind alle Menschen gleich – ob König oder Bettelmann, Mann oder Frau, Bäuerin, Dieb, Hebamme, Mönch oder Soldat. Was die Menschen voneinander trennt, sind ihre Vorstellungen davon, wer sie zu sein glauben. Viele von ihnen investieren unzählige Gedanken und Mühen in eine Rolle, die sie als eine kontinuierliche Form der Persönlichkeit erschaffen. So widmen sie Tag für Tag der Aufrechterhaltung der Idee dessen, wer oder was sie denken, das sie sind. In der Erschöpfung seiner Rolle wünscht sich ein König gar, frei von Amt und Position zu sein und dem Leben eines Landstreichers nachzugehen. Ein Knecht sehnt sich danach, den Stand des Edelmannes zu bekleiden. Doch liegt Freiheit nicht etwa im Wechsel von einer Rolle zur anderen, sondern in der bescheidenen Auflösung dieses uralten irdischen Spiels. Die Menschen sind ihrem Wesen nach gleich. So erlaube dir, dich reinen Herzens deinen Mitmenschen in Mitgefühl zu offenbaren. Wer könnte sodann in grenzenloser Liebe in einem Bruder etwas anderes finden, als grenzenlose Liebe zu sich selbst?“

Die Freiheit des Augenblicks

Der Meister schrieb folgende Notiz in seine Aufzeichnungen: „Ohne Urteil will ich jeden immer neuen Augenblick als mich selbst begrüßen.“

Die Worte der Liebe

Eines warmen Frühlingstages schrieb der Meister folgende Worte an die schieferne Tafel, auf dass die jungen Schüler darüber meditierten: „Das Ego sagt: Ich liebe dich, wenn du so bist, wie ich es will. Die Liebe sagt: Ich liebe dich, so wie du bist.“

Von der Ausdehnung

Der Meister sprach: „Was wahrhaft in uns ist, verlangt danach, sich auszudehnen. Erkenntnis ist Ursache und Folge des Erkennens zugleich. So will Liebe immer nur Liebe sein!“

Vom Misstrauen

Der Meister sprach: „Wenn jemand sagt »Ich liebe dich.«, dann sucht der misstrauische Verstand kontinuierlich nach Beweisen, um eine Lücke darin zu finden, die die Falschheit dieser Worte attestiert. Wenn dir aber jemand im Zorn mit zutiefst hässlichen Worten begegnet, dann sind dir solche Worte anscheinend oftmals Grund genug, um sie von sich aus bedeutend sein zu lassen und sie anzunehmen, um daraufhin selbst mit Ablehnung und Groll zu reagieren? Prüfe, auf welchem Prinzip ein solch wahnsinniges Verhalten beruht, das die Menschen ständig nur in die Irre führen möchte. Auf jedes scheinbare Übel findest du stets eine hilfreiche Antwort in deiner eigenen Güte! Vergib allen alles, auf dass es nichts mehr gibt, das zu vergeben wäre. Liebe will lieben. Sei die Liebe selbst, so wird die Liebe in allem sich dir offenbaren.“

Von der Wandlung

Der Meister sprach: „Einen geschwätzigen Verstand in ein freudig singendes Herz zu verwandeln – die Liebe vermag dies zu tun.“

Über das Mögliche

Der Meister sprach: „Mit einem Finger kannst du die Sonne verdecken, sie auslöschen aber, das kannst du nicht. Wisse darum, was du tun kannst und was nicht. Die göttliche Liebe in allem ist das höchste Konzept, die Totalität ohne Gegenteil, das ewig Unendliche und einzig wahrhaft Beständige. Schließlich will alles nur dieser reinen Liebe ganz und gar zu Diensten sein – somit ist jeder Schritt ein Schritt innerhalb der Vollkommenheit.“

Ich bin

Der Meister sprach: „»Ich bin froh« und »Ich bin traurig« sind beides Erscheinungen im Wesen von »Ich bin«. Erkenne dich selbst als dieses »Ich bin«, pur und einwandfrei. Dies führt dich zur Quelle allen Seins.“

Vom Lachen

Der Meister sprach: „Wenn du dich selbst bei einer Torheit erwischst, dann lache.“

Der Glanz auf den Dingen

Der Meister sprach: „Das Endliche kommt und geht im Unendlichen. Das Unendliche aber war immer und bleibt. Die Gegenwart ist die Zeit, die der Unendlichkeit am nächsten ist. Doch liegt Unendlichkeit jenseits von Zeit. Licht setzt sich als Glanz auf die Dinge und wird wiedergegeben vom Ruhenden als auch vom Bewegten. Das Matte und das Funkelnde, das Starre und der Fluss, die Form und der Werdegang, die Körper und die Durchsichtigkeit. Alles erscheint im vollständig Ganzen. Frage dich: »Was ist das Ganze?« Frage dich: »Was ist es, worin sich die Erscheinungen zeigen und ereignen?« Zwei Fragen, eine Antwort: Du bist durch das Ganze, und das Ganze ist durch dich.“

Vom Verstehen

Der Meister sprach: „Wenn jemand versteht, dass jemand verstanden hat, so ist Gleiches sich gleich.“

Zuhause

Der Meister lobte die Notiz seines jungen Schülers, die da lautete: „Wer bin ich? Wo Frage und Antwort eins sind, dort bin ich zuhause.“

Lebensglück

Der Meister sprach: „Die Liebe in dir ist die Quelle all deines Glücks. “

Von der Erlösung

Der Meister sprach: „Finde den Frieden in dir! Erkenne klar und deutlich: Du selbst bist der Frieden, dem dein sprunghafter Verstand zeitlebens hinterherjagt, solange du außerhalb deines Geistes nach der Erfüllung all deiner Bedürfnisse suchst. Der beständige Frieden kommt nicht aus deiner Identifikation mit dir als Person, Körper und Verstand. Das was du unaufhörlich finden willst, solange du in äußeren Erscheinungen danach Ausschau hältst, ist die schuldlose Quelle deines Geistes, die du selbst bist und in der du dein wahres Zuhause hast. Deswegen: Schaue nach innen, mit liebevoller Einsicht für all die unzähligen Erscheinungen, die sich in deinem Leben ereignen. Wisse um die Vergänglichkeit von Gedanken und Gefühlen, von Zuständen und Bewegungen. Gib deinen Gedanken die Möglichkeit, sich aufzulösen oder einfach zu sein und dahinzuziehen – wie Wolken es am Himmel tun. Wisse: Du bist die geduldige Wachsamkeit, aus der heraus jeder Wechsel wahrgenommen wird. Suchen und Finden sind wie zwei Schalen einer Waage. Du bist die Balance, die absolute Ausgeglichenheit, der ursprünglichste Zustand. So nimm dich selbst und alles andere als vollständige und vollkommene Ganzheit an – darin erweist sich eine erlösende Erkenntnis für deinen subjektiven Geist. Es geht um dich und deinen inneren Frieden. Es geht weder um deine Vergangenheit noch um deine Zukunft. Der Frieden ist immer im gegenwärtigen Augenblick zu finden. Der Verstand allein könnte dies niemals begreifen, ohne dass es das Herz zuvor durch seine Liebe zum Leben beglaubigt hat. Das ist nichts anderes, als zu sagen: Frieden bedeutet, in Frieden zu sein. Durch dieses Gewahrsein wird sich großartige Liebe in die Welt begeben, sich ausdehnen und die Menschheit erheben.“

Von der Verbindung

Als der Meister einst Schüler war und von einer Wanderung zurückkehrte, notierte er die Worte: „Ich bin der Boden, auf dem ich gehe. Ich bin die Luft, die ich atme. Ich bin der Himmel, den ich sehe. Dankbarkeit verbindet sich darin mit mir.“

Vom Erblühen

Der Meister wandte sich an seine Schüler und sprach: „Der Lernende ähnelt dem jungen Gewächs. Der Boden, in den er seine Wurzeln schlägt, wird ihn nähren und wachsen lassen. Seine Umgebung wirkt auf ihn, und er wirkt auf seine Umgebung. Er transformiert die Elemente in gedeihendes Leben. Anmutig erblüht er in Meisterschaft, um daraufhin den ergiebigen Kern weiterzugeben, umhüllt von der reifen Frucht seiner selbst. Aus den Schülern der Gegenwart entspringen die Meister der Zukunft.“

Vom Finden

Der Meister sprach: „Begib dich im Vertrauen und mit Hoffnung auf die Suche nach dir selbst. Was du findest, ist vollkommen – denn Vollkommenheit ist deine Natur.“

Die Mathematik des liebenden Herzens

Der Meister sprach: „Die Mathematik des Verstandes besagt, dass Eins und Eins stets Zwei ergibt. Das liebende Herz aber lehrt: Eins und Eins ist Eins.“

Vom Reichen der Hand

Während der Verbrennung des Verstorbenen Kang Li Liu, der gewaltsam zu Tode gekommen war, ließ der Meister einen Zettel in das Feuer gleiten, auf den er geschrieben hatte: „Als ein Mensch aus unserer Mitte das Messer in seine Hand nahm und damit zustach, ermangelte es vielleicht nur einer einzigen Hand, die ihm liebevoll anstatt des Messers angeboten worden wäre. Mögen wir aus deinem Tod nicht etwa lernen, einen Mörder hinzurichten, und selbst zu Mördern zu werden. Mögen wir nicht daraus lernen, alle Messer dieser Welt zu vernichten, und ihre Herstellung einem Verbot zu unterziehen. Mögen wir stattdessen lernen, nach Möglichkeit dem Nächsten unsere Hand zu reichen, wenn er sie braucht. Mögest du, geliebter Kang Li, hiermit in Frieden ruhen.“

Vom Tilgen der Schuld

Der Meister sprach: „Ein Urteil über jene zu fällen, weil sie ein Urteil über andere fällen, und am Ende sich selbst dafür zu verurteilen, dass man geurteilt hat – was soll das bringen? Vergib dir selbst den letzten Schritt und dann den Schritt davor und auch den allerersten, indem du von strafenden Verurteilungen einfach keinen Nutzen mehr erwartest. Sodann, vergib immer gleich zu Anfang. Diese Haltung tilgt die Schuld aus dieser Welt.“

Das Gleichnis von den ungleichen Teilen

Der Meister gab seinen Schülern folgendes Gleichnis: „Ein stattlicher Gewürzhändler auf einem Esel verirrte sich einst am Rande der Wüste Lop Nor. Mehrere Stunden irrte er im sengenden Schein der Sonne auf der Suche nach Wasser umher. Nahe den Bai-Shan-Bergen traf der Mann auf einen ausgemergelten Wanderer, der bereits seit zwei Tagen in der Wüste verloren war und nun flehend um Hilfe bat. Ein glücklicher Umstand ergab, dass zwei junge Männer des Weges geritten kamen. Sie führten nicht mehr viel Wasser bei sich; nur soviel, dass es für ihre Rückkehr gereicht hätte. Als sie sahen, dass der zerlumpte Wanderer dem Tode bereits sehr nahe war, gaben sie ihm den größten Teil des Wassers, den zweitgrößten dem durstenden Händler und seinem Esel, den drittgrößten reichten sie ihren beiden Pferden und behielten jeweils nur einen Becher mit Wasser für sich selbst. Dann schickten sie einen Reiter aus, um Hilfe zu finden. Nach einigen Stunden kehrte der Ausgesandte zurück, führte frisches Wasser bei sich und brachte frohe Kunde von einer saftigen Oase mit einem sauberen Fluss. Die Männer machten sich mit den Tieren gemeinsam auf den Weg zur Oase und wurden schließlich gerettet.“

Weiter fuhr der Meister fort: „Die Moral der Geschichte, das sage ich euch meine jungen Schüler, liegt darin, dass Gerechtigkeit nicht bedeutet, dass alle immer das Gleiche bekommen, so etwa bei großem Durst einen gleichen Teil an Wasser; sondern, dass jeder den Teil erhält, wie er im jeweiligen Moment wahrhaft vonnöten ist, um Gleichheit wiederherzustellen.“

Die Macht der Überzeugung

Der Meister sprach: „Solange du nicht erkennen willst, dass etwas wahr ist, erkennst du nicht, dass es wahr ist.“

Herzenswünsche

Der Meister sprach: „Herzenswünsche sind ausdauernd und geduldig. Ihre Erfüllung bringt Seelenfrieden.“

Vom Ursprung des Traumes

Der Meister übte die Kunst der Kalligraphie, als er niederschrieb: „Ich bin nicht Ich und bin nicht Nichts – doch immer bin ich, denn niemals bin ich nicht. Der Ursprung eines Traumes liegt in dem, was überdies zu finden ist.“

Von der Befreiung

Der Meister sprach: „Demjenigen, der glaubt, er hätte besondere Führung nötig, kann auf zweierlei Weise geholfen werden: Entweder, man gibt ihm die Führung, nach der er verlangt, oder man erlöst ihn von der Vorstellung, dass sie ihm fehlt. Der erste Weg hält gebunden während der zweite befreit.“

Weise Ethik

Der Meister sprach: „Weise Ethik ist Wahrheit durch Liebe zum Leben.“

Von der Erreichbarkeit

Der Meister sprach: „Unerreichbar ist nur diese eine Sache: 'Ausweglosigkeit'. Denn es gibt immer einen Weg.“

Von der Erkundung

Der Meister sprach: „Das Leben, so wie wir es erfahren, ist ein sich stets wandelnder Prozess. Was aber ist es, das sowohl Wandlung als auch dessen Erfahrung bezeugt? Was ist in uns, das Innen und Außen erblickt? Was umhüllt all unsere Wahrnehmungen? Erkunde dies mit deinem Herzen – und du erkennst, was du bist!“

Der freundliche Geist

Der Meister sprach: „Selbstsucht verwandelt den Verstand in eine Waffe wider die Natur. Gutmütigkeit macht dagegen unseren Geist zu einem verbündeten Freund allen Lebens.“

Vom Verstehen

Der Meister sprach zu seinen Schülern: „Bedenkt Folgendes: Der Hund versteht, was der Mensch ihm sagt – nicht umgekehrt!“

Vom Urgrund

Der Meister sprach: „Das 'Ich' ist lediglich eine Illusion von Wirklichkeit. Das wirkliche Sein allerdings reicht unvorstellbar weit darüber hinaus. Darin liegt der Urgrund jeglicher Erfahrung. Wo die Idee von 'Ich' in dir nicht ist, da bist du in deiner reinsten Form – unbeschreiblich, grenzenlos und frei.“

Der liebevolle Guss

Der Meister sprach: „Die Welt ist grob und trotzdem liegt das Feine oft ganz offen. Es zu sehen bedarf nicht unbedingt der Suche. Man kann die liebevolle Sicht aufs Ganze wachsen lassen, gleich einer Pflanze, die man sorgsam gießt.“

Vom Glücklichsein

Der Meister sprach: „Die Zeit nicht festhalten zu können, das heißt sich fügen. Die Zeit nicht festhalten zu wollen, das heißt glücklich sein.“

Vom Sehen

Der Meister sprach: „Wenn du die Welt mit anderen Augen siehst, dann siehst du die Welt mit anderen Augen.“

Das Meer der Liebe

Der Meister sprach: „Vergebung und Güte sind zwei Flüsse, die das Meer der Liebe speisen.“

Vom Einfall

Der Meister sprach: „So wie man etwas dreht und wendet, so erweist es sich. Die Richtung der Schatten wird gegeben vom Einfall des Lichts. Siehe: Es ist gut! – und es ist gut. Siehe: Es ist schlecht! – und es ist schlecht! Die Welt erscheint uns in der Gestalt, in der wir sie zu sehen wünschen.“

Das große Spiel

Der Meister sprach: „Die Zeit ist Teil des großen Spiels. Im Augenblick zu sein, gewinnt an Wert durch die Vergänglichkeit.“

Im Lichte der Begebenheiten

Der Meister schrieb folgende Notiz: „Alles schimmert – schillert vielfältig – im Lichte der Begebenheiten.“

Vom Druck der Repression

Der Meister sprach: „Wer schweigen soll, dem wird es innen laut.“

Vom Verlust

Der Meister sprach: „Der Verlust offenbart uns oftmals den wahren Wert dessen, was wir verlieren.“

Vom inneren Lächeln

Der Meister sprach: „Lächle deinem Inneren zu, und dein Inneres lächelt zurück.“

Grundlose Freude

Der Meister sprach: „Grundlose Freude ist ein entzückendes Geschenk. Denn sie ist frei, zu sein, wann immer sie will.“

Des Lebens lange Züge

Der Meister sprach: „Das Leben lehrt in langen Zügen, was immer schon beschlossen war.“

Vergiss, vergiss, vergiss das nicht

Ein älterer Schüler des Meisters schrieb einen Brief an seinen Vater, der zornig darüber war, dass sich sein Sohn für ein friedliebendes Leben im Kloster entschieden hatte, anstatt weiterhin mit ihm das Ackerland zu bewirtschaften. So schrieb der Gelehrte am Ende des Briefes folgende Worte der Versöhnung an seinen Vater: „Oh Geliebter! Vergiss, was du zu sein einst dachtest. Vergiss, »wer« immer du auch bist. So bist du nicht du – und ich nicht ich. So sind wir beide endlich EINS. Vergiss das bitte nicht!“

Das Beste

Der Meister sprach: „Der urteilende Verstand verlangt nach einem Recht, das sich der Lehre von Schuld und Strafe unterzieht. Das liebende Herz dagegen hofft – von Forderungen möglichst frei – für jeden immerzu das Beste.“

Schicht für Schicht

Der Meister übte sich in der Kunst der Kalligraphie: „Eine Zwiebel ist eine Zwiebel ist eine Zwiebel. Schicht für Schicht für Schicht.“

Eine Übung im Loslassen

Der Meister sprach: „Das Leben ist nicht zuletzt eine Übung im Loslassen. Versuche festzuhalten, was du nicht festhalten kannst, und du wirst verstehen, dass du gut daran tust, neben dem Vergänglichen ebenso deine Begierden danach gehen zu lassen.“

Vom Fangen

Der Meister sprach: „Der Wahrheitssuchende gleicht einem Fischer, der Netze auswirft, um Fische zu fangen. So zieht der Eifrige aus dem mächtigen Strom von Gedanken diejenigen heraus, die er für lohnenswert hält. Der Weise aber weiß, dass er nichts im Übermaß zu tun hat, da alles, was er für ein zufriedenes Leben braucht, ihm so oder so gegeben wird.“

Die Freude des Wartens

Der Meister sprach: „Wartest du in brennender Ungeduld, so löse deine Erwartung vom Moment, er solle anders sein, als er dir erscheint. Auf wundervolle Weise lässt sich mit ganz viel Freude warten, wenn du im warmen Schein deiner Geduld den Augenblick zu schätzen weißt.“

Klarheit

Der Meister sprach: „Der Weise vermag sich im Klaren darüber zu sein, dass sein Verstand abhängig und begrenzt ist – das Wesen der Wahrheit jedoch ist unendlich und frei. So hütet sich der Erfahrene davor, Wahrheit ausschließlich mit dem Verstand ergründen zu wollen.“

Zur Mitte hin

Der Meister sprach: „Alle Wege, die du gehst, führen die Welt in deine Mitte.“

Sei

Der Meister schrieb: „Komm. Schweig. Sprich. Bleib. Immer doch, immer doch: Sei. Sei.“

Vom Verständnis

Der Meister sprach: „Ein gutes Verständnis zu haben bedeutet nicht nur zu hören, was jemand sagt, sondern ebenso zu erkennen, was jemand meint.“

Des Herzens Weisheit

Der Meister sprach: „Der Kluge spricht mit dem Verstand. Der Weise hört mit seinem Herzen.“

Tierliebe

Der Meister sprach: „Du liebst Tiere? Dann iss sie nicht!“

In uns

Der Meister schrieb die Worte: „Wir finden immer in uns. Wir finden immer in uns. In uns: finden wir immer.“

Der Zweck der Welt

Der Meister sprach: „Der Zweck einer unvollkommenen Welt kann schließlich nur sein, durch vollkommene Liebe unseres vollkommenen Geistes vollkommen überwunden zu werden. Siehe: Vollkommenheit ist der Ursprung allen Seins, und du erkennst, dass nichts, was existiert, demnach unvollkommen ist.“

Die Überwindung der Welt

Der Meister sprach: „Überwunden werden muss für das 'Ich' die Welt, in der es Gegensätze zu sich selbst und ein Gegenteil von Liebe zu geben scheint. Eine Welt, in der von Schuld die Rede ist, von Sünde, von Angst, von Krieg und von Verrat. Wodurch wird solch eine Welt überwunden? Durch Liebe allein. Durch LIEBE ganz und gar! Diese Überwindung ist früher oder später eines jeden Geistes Wunsch und Wahl. Das ist die scheinbare Reise durch die Zeit; die längst schon ihr Ende fand durch den stillen Frieden endlos liebevoller Ewigkeit. Alle Heiligkeit liegt darin zugrunde, mit liebevollem Herzen zu verstehen, was wirklich ist. Du fragst, was du zur Überwindung Gutes hinzutun kannst? Sei mit allen freundlich und in dir selbst sei aufmerksam und still. So lass die Liebe durch dich Liebe sein, weil sie es will.“

Der verborgene Dienst

Der Meister sprach: „Einen Menschen beurteilst du nach seinen Taten – seinen verborgenen Dienst für die Vollendung des Ganzen erkennst du aber nicht, wenn du nicht mit liebevollem Herzen siehst. Schließe daher alle in den großen Frieden mit ein, der unvergänglich in dir weilt. Dank dieser Haltung erfährst du wahrhaft nichts, was nicht der Liebe dient.“

Die Liebe zum Augenblick

Der Meister sprach: „»Sei wie du bist.« – so spricht die Liebe zum Augenblick.“

Der Weg nach Hause

Der Meister sprach: „Verschmilz friedlich mit dem Lauf der Dinge – dies ist der Weg, der dich nach Hause führt.“

Weder noch

Der Meister sprach: „Lass dich nicht vom Gefühl der Überlegenheit verführen und ebenso wenig erachte dich in irgendeiner Form als unterlegen – denn weder Dominanz noch Unterwerfung bezeugen den reinen Kern deiner Wirklichkeit.“

Im Ganzen

Der Meister sprach: „Jener, der im Ganzen seinen Frieden zu finden vermag, wird Frieden im Ganzen hervorrufen. Für denjenigen, dem das unmöglich erscheint, bleibt es solange unmöglich, bis dieser Frieden schließlich auch ihn ereilt.“

Ruhe

Der Meister sprach: „In der Ruhe ruhig zu bleiben, ist keine große Kunst. Dem Wesen der Unruhe nicht zu folgen, dadurch erwächst die Kraft des stillen Friedens.“

Licht der Bewusstheit

Der Meister sprach: „Wie die Sonne sich über Berg und Tal erhebt, so leuchtet das Licht der Bewusstheit sorglos auf das, was ist.“

Von der Armut

Der Meister sprach: „Arm ist, wer nichts geben will.“

Vom Wechselspiel

Der Meister sprach: „Solange wir dem Lauf der Sonne folgen, folgen wir sogleich dem Wechselspiel von Licht und Schatten. Lass uns das Leben ein Vergnügen sein, auch dann, wenn es nicht vergnüglich scheint.“

Vom Rat der Stille

Der Meister sprach: „In der Stille findet sich reichlich guter Rat.“

Vollkommen frei

Der Meister sprach: „Vollkommen frei ist die Vollkommenheit durch das, was ist – was immer es auch sei.

Unsinn

Der Meister sprach: „Im Unsinn badet Fröhlichkeit.

Die Freude über das Wohl

Der Meister sprach: „Erfreue dich an deiner Stärke, es wohl zu meinen, und noch dazu: das Wohl zu expandieren, allseits – bis keine Trennung übrigbleibt.

Glück und Zufriedenheit

Der Meister sprach: „Du willst glücklich sein? Übe Zufriedenheit!

Faden und Muster

Der Meister sprach: „Ein Faden weiß nichts von dem Muster, in das er gewebt wird. Doch ohne ihn kann es nicht sein.

Von Stand und Urteil

Der Meister sprach: „Beobachte den Tanz der Mücken in der Luft! Jede unternimmt ihren eigenen Flug. Manche fliegen niedrig, andere treibt es empor. Aber beurteilst du eine Mücke nach ihrem Stand? Sieh gleichfalls davon ab, solche Art des Urteilens den Menschen anzutun.

Vom Talent anderer Leute

Der Meister sprach: „Eine Eigenschaft, eine Kunst, ein Können oder ein Talent bei anderen anzusehen, verführt nicht selten zum Bedauern des scheinbaren Mangels solcher Eigenheiten bei sich selbst. Erkenne diese Regung in dir und löse sie auf, indem du dankbar bist, dass jeder Mensch auf Erden das seinige dazutut, um gleichfalls das Erleben vieler Menschen zu bereichern. Nimm die Talente anderer immer als Geschenk an, als liebevolle Gaben, die allen gegeben werden, um des Lebens wundervolles Ausmaß freudig wahrzunehmen.

Entfaltung der Harmonie

Der Meister sprach: „Zufriedenheit bedeutet, mit sich und der Welt in Harmonie zu sein. Entfalte Zufriedenheit und Dankbarkeit bei jedem Schritt, bei jeder Regung, bei jedem Atemzug, in jedem Moment – bei allem, was du tust. Die Welt wird freudig wiedergeben, was du innig praktizierst.

Von der Oberflächlichkeit

Der Meister sprach: „Alles Oberflächliche hat einen Zweck darin, das Unsichtbare zu bedecken.

Vom geistigen Frieden

Der Meister sprach: „Solange du flüchtigen Freuden hinterherjagst, wirst du immer wieder auf Schmerz treffen und leiden. Erfahre aufrichtig, dass Lachen und Tränen kommen und vergehen. In dieser Erfahrung selbst entwickelst du ein Gespür, das über alle Wahrnehmungen hinausgeht und sich als leises, einfaches Gewahrsein und sogleich als freie, ungreifbare und unangreifbare Natur deines Wesens ergründen lässt. Sei aller Dinge tiefer Grund und doch über das erhaben, was kommt und geht. Bleibe bei der Formlosigkeit, in der die Formen einander abwechseln. Unzählige Gedanken schwärmen eifrig aus; wie summende Bienen bemühen sie sich um guten Ertrag. Dabei ist jeder deiner Gedanken ein Bote der Vorstellung von dem, was du für die Wirklichkeit hältst. Ich sage dir: Hier ereignet sich ein sehr verworrenes Spiel. Der geistige Frieden besteht in der Unabhängigkeit vom Wandel – wenngleich du dem Wandel niemals im Wege stehen mögest und ihn sein lässt, was er ist. Wenn du Aufmerksamkeit auf deinen Atem legst, so wirst du keinerlei Vorliebe feststellen, weder für den Atemzug nach innen noch für den Hauch nach außen. Die Lebensenergie wirkt aus sich selbst heraus. Wisse um deine Heiligkeit, Teil dieser universellen Kraft zu sein. Wisse um die Unabhängigkeit deines Daseins, das über Körper und jegliche Vorstellungskraft hinausgeht. Wisse um die grenzenlose, undefinierbare und lebendige Vitalität der Ganzheit, die du bist.

Vom Leben lernen

Der Meister sprach: „Selbst der Erfahrene kann nach wie vor von einem Käfer, vom Grashalm und vom Wind lernen – und auch der Weise wendet sich gerne den stillen, einfachen Begebenheiten zu. Bewahre dir ein Gespür für die leisen Wunder der Natur und wisse: Was das Leben dich lehrt, das lehrst du dich selbst.

Vom Wert des Selbstverständlichen

Der Meister sprach: „Der Wert des Selbstverständlichen tritt für die Menschen zumeist dann in Erscheinung, wenn es schwindet oder fehlt.

Zur Ausnahme

Der Meister sprach: „Wenn du dich so sehr nach einer besonderen, erlösenden Ausnahme sehnst, dann verweile nicht länger beim Hang zur Gewöhnlichkeit.“

Dank an die Natur

Der Meister sprach: „Das Glück, das die Menschheit den Tieren, den Pflanzen und der Natur verdankt, ist unermesslich.“

Erfreue dich

Der Meister sprach: „Um mit der Freude eins zu sein, erfreue dich an deiner Freude.“

Der Liebe erliegen

Der Meister sprach: „Erliege der Liebe und gib dich ihr hin. Lebe das Leben und erkenne den Sinn.“

Vom Weg der Erfahrung

Der Meister sprach: „Als junger Mensch erlangte ich Kenntnis von einem hochbetagten Baum. Sein weiser Rat an mich lautete: Dein Potenzial ist unerschöpflich. Begib dich hin zur Tiefe deiner Existenz und habe wohlgesonnenen Anteil am nahrhaften Grund. Festige deinen Stand. Heiße jeden neuen Tag willkommen und strebe zum Licht. Genieße die Wohltat der Erholung in der Nacht. Vertiefe deine Wurzeln, wenn du willst, und erweitere deinen Standpunkt. Lass dir helfen und hilf anderen. Manche Lebewesen fördern dein Wachstum, einige suchen Rast in der Sanftheit deines Schattens, andere erhalten Schutz und Unterkunft inmitten deiner prächtigen Lebendigkeit. Sei dankbar für den Wandel und begrüße den Lauf der Dinge. Regen, Wind und Sonnenschein bestätigen dich in deiner eigenen Anerkennung – manchmal mild, ein andermal schroff. All dies fördert deine Entwicklung. Sei nur du selbst – so wirst du erblühen, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Deine Früchte trage bis zur Reife und lass sie los, um anderen zu dienen. So bist du wahrhaftig ein Förderer des wundervollen Lebens.“
Nachdenklich fuhr der Meister fort: „Unterdessen mussten viele Jahrzehnte vergehen, bis ich die Ehrwürdigkeit des Baumes vollkommen erkannte.“

Vom Grund, von der Absicht, dem Zweck und der Wirkung

Der Meister zeigte seinem Schüler ein altes Utensil und erklärte dazu folgendermaßen: „Betrachte dieses Messer! Es hat weder ein Interesse daran, jemanden zu töten, noch zieht es vor, eine Zwiebel zu zerteilen. Wie könnte es auch anders sein? Ein Ding hat einzig und allein den Zweck, den man ihm gibt. Der Zweck wird geboren aus einer Absicht, und daraus erfolgt die Wirkung. Lass stets Liebe und Mitgefühl den Grund deiner Absichten sein – und Frieden ist der Weg, dem deine Taten folgen. Das schärfste Messer hat keine Macht über denjenigen, der diese Erkenntnis umzusetzen weiß.“

Schätze, was ist

Der Meister sprach: „Um froh zu sein, bedarf es einfacher Grundsätze: Schätze die Vorzüge des Tages und schätze die Vorzüge der Nacht. Schätze die Vorzüge des Frühlings, des Sommers, des Herbstes und des Winters. Sei dankbar, wenn du Füße hast zum Gehen oder Hände zum Handeln. Und bist du betrübt, so hat auch dies seinen Nutzen, denn dadurch schärft sich dein Sinn für angenehme Qualitäten, ähnlich wie einem Durstigen die Bedeutsamkeit von Wasser zunehmend klar wird. Jegliches Lernen wurzelt im Leben. Wenn dir nach Weinen zumute ist, weine! Schilt dich nicht unnütz für Vergangenes. Schnell wirst du erkennen, dass alles Veränderliche kommt und geht. Du musst nicht billigen, was du nicht ruhigen Gewissens gutheißen kannst – doch bist du stets frei, annehmen zu dürfen. Daher rate ich dir: Schätze die Vorzüge dessen, was ist.“

Die Legende von Shao

Der Meister las seinen Schülern aus einem Buch vor:
„Über mehrere Jahrhunderte hinweg tobte ein unerbittlicher Krieg zwischen zwei miteinander verfeindeten Dynastien südöstlich der Weißen Berge. Alle Erben des jeweiligen Herrschergeschlechtes taten es ihren Vorfahren gleich: Sie empfanden Ehre für die eigene Herkunft und übten sich in Verachtung für ihre Gegner. So trug es sich zu, dass die beiden Kaiser Shao und Wu in der alles entscheidenden Schlacht um die Staatsgebiete einander als führende Feldherren begegneten. Die zwei Oberhäupter waren derart von Macht und Ehrgeiz besessen, dass sie den Krieg auf Gedeih und Verderb bis zu diesem Punkt vorangetrieben hatten und sich nun, zu allem bereit, Auge in Auge im Zweikampf gegenüberstanden. Dabei ereignete es sich, dass Shao sein Schwert gegen Wu, den er vorher zu Boden gestreckt hatte, erhob, um ihn zu töten. Urplötzlich brach ein gewaltiger Regenguss vom Himmel herein. Dem sonst so unerschrockenen Kaiser Shao schien dies einer Botschaft gleichzukommen, so als ob der Himmel bitterlich über das verrohte Treiben der Menschen auf der Erde weinte. Etliche Regentropfen vermengten sich mit den Tränen Shaos und fielen auf das erschrockene Antlitz seines Gegners nieder.

Da ließ Shao sein Schwert zu Boden gleiten und sprach Worte der Eingebung:
»Oh Bruder, nie habe ich dich als den gesehen, der du wirklich bist – und auch du hast nicht verstanden, wer ich bin; noch haben wir uns zu irgendeiner Zeit jemals wahrhaftig selbst erkannt. Augenblicklich wird mir klar, dass all unsere Wut, unser Neid und unsere Gier, unsere Sucht nach Anerkennung und unser Streben nach Besitz, ja selbst unsere löblichen Taten und die zaghaften Liebesdienste für die wenigen von uns Auserwählten, nur ein irrsinnig zeitverschlingendes Schauspiel inmitten der prachtvollen Gnade unendlicher Freiheit ist. Was in aller Welt wählten wir nur im Ganzen zu sehen? Welchen Weg in aller Welt wählten wir zu gehen? Unsere selbstsüchtigen Taten zeugen davon, dass wir es nur selten vernommen haben, wenn uns der Frieden in uns herbeirief. Ich schäme mich. Doch sage ich dir: Ich wähle neu, Bruder, dich zu sehen, wie du wirklich bist! Du bist wie ich! Augenscheinlich weder in der Statur noch im Denken noch im Tun, gewiss aber in der einfachen Reinheit unseres Seins sind wir einander derart gleichgestellt und verwandt, dass wir darin untrennbar miteinander vereint sind. Jetzt erst sehe ich: Dem anderen zu schaden bedeutet immer wieder, sich selbst Schaden zuzufügen. Alle Unterschiede, die eine Trennung des einen von der Liebe des anderen bezwecken sollen, sind nur von uns erdacht. Darüber hinaus: In Wahrheit ist eine solche Trennung unmöglich. Ein jeder erkennt dies zur ihm gegebenen Zeit. Deswegen bitte ich nun um Vergebung.«

Mit diesen Worten wandte sich Shao ein für alle Mal dem inneren Frieden zu, und gleichfalls legte sich Frieden für lange Zeit schützend auf das Land.“

Der Meister schaute auf seine Schüler und fuhr fort: „So erzählt man sich die Legende von Shao. Sie dient der Erforschung unseres Denkens, unseres Handelns und schließlich der Klärung unserer Sicht. Begebt euch jetzt zum Ruhen auf eure Zimmer. Habt einen angenehmen Schlaf“

Vom würdig Beschenkten

Der Meister erzählte eine Geschichte: „Chang Sun gelangte während einer langen Reise an einen Ort, an dem ein Baum stand, der reife Früchte trug. Dankbar aß der eifrige Wanderer, was er freudig vorgefunden hatte. Doch fragte er sich insgeheim, wem sein Dank nun eigentlich gebührte. Etwa der süßen Frucht, die er mit Hingabe genoss? Dem Ast, der die Frucht getragen hatte? Oder vielmehr dem Baum, der Erde, dem Regen? Da spürte der Ehrwürdige tief in seinem Herzen eine Dankbarkeit sondergleichen für jene Kraft, die alles Geschehen derart großzügig zu fügen vermochte und die Dinge in Harmonie miteinander verband. Tiefe Einsicht wurde ihm so zuteil – und augenblicklich verstand er sich als liebevolle Selbsterkenntnis allgegenwärtiger Vollkommenheit. Später erzählte man sich über Chang Sun, dass ihm auf seinen Reisen Erleuchtung widerfahren sei.“

Des Erhabenen Weisheit

Der Meister sprach: „Des Erhabenen Weisheit liegt in seiner Stille zu sich selbst.“

Von der Überwindung des Persönlichen

Der Meister sprach: „Jedes Individuum muss früher oder später an die Grenzen des Persönlichen kommen, um es zu überwinden.“

Vom Fluss der Lebenskraft

Der Meister sprach: „Ich sage dir: Wahrhaft, du wirst tatsächlich geatmet. Sei dir deiner innewohnenden Lebensenergie bewusst. Lenke deine Aufmerksamkeit darauf und verbinde dich mit diesem Fluss in Harmonie. Derart einfühlsam, folge der Stimme deines Herzens. Mit dem Herzen ist nicht das körperliche Organ gemeint. Dein wahres Herz ist der Sitz deiner Heiligkeit; es ist die Mitte des ganzen Universums. Dieses Herz ist ein Kompass. Richte dein Leben danach aus.“

Von den banalen Dingen

Der Meister sprach: „Es sind banale Dinge, die sich sodann in wundersame Zeichen verwandeln. Ein gepflasterter Weg. Ein blühendes Reisfeld im November. »Ein Fehltritt der Menschheit«, magst du einwenden? Ich aber kann nicht umhin, dass mein Herz sich erfreut.“

Lass den Vulkan Vulkan sein

Der Meister schrieb:
„Wenn dein gesamtes Handeln springt und sprudelt,
deinen Gedanken gleich,
lass den Vulkan Vulkan sein,
lass die Gedanken eruptieren.
Und dann:
Lass Milde walten.
Lass Stille sprechen.
Darüber hinaus:
Lass Ruhe sein.
Lass Freude ein.
In Liebe weil.
Im Frieden sei.“

Das, was immer ist

Der Meister sprach: „Der Körper wird geboren. Der Körper geht verloren. Regen kommt und Regen geht. Was aber war seit jeher, ist immer und bleibt? Danach halte eifrig Ausschau. Es ist in jedem Augenblick zu finden.“

Vom friedlichen Kehren

Der Meister sprach: „Kehre solange vor deiner eigenen Tür, bis du mit dir selbst im Reinen bist. So bist du tüchtig, nicht nur um deiner selbst willen – du säuberst gleichfalls den Weg für andere.“

Von schönen Worten

Der Meister sprach: „Schöne Worte sind wie lieblicher Wein. Manchmal mögen sie schmecken, ein andermal bereiten sie Kopfschmerzen.“

Mittel zum Zweck

Der Meister sprach: „Die Quelle der Weisheit hat keinen Anfang und kein Ende. Weisheit ist Wasser für den durstigen Geist. Der durstige Geist ist eine Phantasie des vollständigen Geistes. Der vollständige Geist ist grenzenlos, unverletzlich, unendlich, ewig und frei. Deswegen ist Weisheit nur Mittel zum Zweck. Wenn es dich juckt, spielt es keine Rolle, ob du dich kratzt oder nicht. Nach einer Weile geht es vorbei. Derart ist Weisheit bloß eine sanfte Verbeugung der Vergänglichkeit vor dem Unendlichen. Was dem einen weise erscheint, ist dem anderen ein lächerlicher Witz. So halte dich nicht übermäßig daran fest. Und wenn du es doch tust, vergiss nicht zu lachen.“

Ein Umkehrschluss

Der Meister sprach: „Wenn du denkst, dass du weißt, dann weißt du nicht.“

Die Wiege des Glücks

Der Meister sprach: „Dort, wo alles mit allem verbunden ist, liegt die Wiege des Glücks.“

Vom Weg zum Wesentlichen

Der Meister sprach: „Das Einfache führt zum Wesentlichen.“

Das verständige Werkzeug

Der Meister sprach: „Der Verstand ist lediglich ein Werkzeug. Erkenne dies, und er wird dir vielmehr hilfreich sein, als dass er Schaden bringt.“

Der Brunnen der Wahrnehmung

Der Meister sprach: „In einer Welt, die sich andauernd dreht, wo ist da oben und wo ist unten? Das, von dem du denkst, es wäre, ist, weil du annimmst, es sei so, wie du denkst. Das ist der Brunnen deiner Wahrnehmung, aus dem du ständig trinkst.“

Ein aufrichtiges Leben

Der Meister sprach: „Ein aufrichtiges Leben lehrt: Das Annehmen des Annehmbaren. Das Loslassen des Unerwünschten. Die Befreiung von Last. Die Loslösung von Sinnlosem. Das Aufgeben von Unwirklichem. Die Berichtigung von Irrtümern. Das Suchen und Finden. Die Einsicht ins Wahre. Hierin erweist sich die glückliche Transformation aller Dinge.“

Segnung

Der Meister wurde gebeten, an der Segnung eines neugeborenen Kindes teilzunehmen. Daraufhin legte der Erhabene sanft seine Hand auf die Stirn des Säuglings und sprach: „Die Dunkelheit ist lediglich Symbol der Wahrnehmung von nichts. Doch du, mein liebes Kind, bist helles, wunderbares Licht.“

Vom Wohl der Nachsicht

Der Meister sprach: „Wohl dem, der einen Schmähruf über sich mit milder Nachsicht zu vergüten weiß.“

Von der Skepsis

Der Meister sprach: „Die Skepsis verbleibt als das sichere Wahlrecht für die Unentschlossenen.“

Vom Charakter

Der Meister begab sich zusammen mit vier seiner jüngeren Schüler an den Rand eines großen Beckens, das mit siedeheißem Wasser befüllt war und fürchterlich dampfte. Von einer Seite hin zur gegenüberliegenden, führte eine hölzerne Planke über das Becken.
Der Meister erklärte: "Die Aufgabe wird sein, dass ein tapferer Schüler das Becken überquert, um tatsächlichen Mut zu beweisen."

Dann wandte sich der Meister dem ersten der vier Schüler zu, blickte ihm in die Augen und sagte: "Wenn deine Mutter an meiner Stelle hier stünde, so würde sie ganz sicher einen der anderen Knaben für diese gefährliche Aufgabe auswählen."

So sprach der Meister zu jedem Einzelnen von ihnen. Anschließend richtete der Erhabene das Wort wieder an alle: "Hört! Gibt es jemanden von euch, der diese Aufgabe freiwillig übernehmen möchte?"
Nach kurzer Zeit trat Schüler Chang hervor.
Der Meister fragte: "Chang, wieso bist du hervorgetreten?"
Chang gab zur Antwort: "Weil ich von niemandem verlangen möchte, das zu tun, was ich selbst nicht tun will. So ist es mir lieber, dass ich diese schwierige Aufgabe übernehme."
Der Meister sprach: "Wohl hast du entschieden, Chang. Nun aber bist du von der Aufgabe befreit."
Alle Schüler waren daraufhin sehr erstaunt und machten große Augen.

Sodann fragte der Meister die drei Verbliebenen: "Gibt es jemanden unter euch, der sich jetzt dieser schwierigen Probe stellen möchte?"
Der Schüler Li trat hervor.
Der Meister fragte: "Li, weswegen bist du hervorgetreten?"
Li antwortete: "Weil ich mich schäme, es Chang nicht gleichgetan zu haben, und um nun durch die Prüfung wieder ein ruhiges Gewissen herzustellen."
Der Meister sprach: "Li, auch dich entbinde ich von der Aufgabe."

Abermals fragte der Meister die beiden noch in der Reihe verbliebenen Schüler, wer sich der Aufgabe stellen mochte.
Da trat der Knabe Baihu hervor. Der Meister fragte auch ihn nach dem Grund für dessen Meldung.
Baihu antwortete: "Meister, weil auch ich gerne von dieser schrecklichen Aufgabe befreit sein will. Da ich nun annehme, ihr werdet denjenigen auswählen, der zuletzt übrigbleibt, habe ich mich gemeldet."

Der Meister lächelte und sprach: "Nein Baihu, niemand von euch muss sich der Prüfung stellen, über das kochende Wasser hinwegzugehen. Denn meine Schüler sind mir äußerst lieb. Aber eine Prüfung hattet ihr trotzdem zu verrichten. Haltet euch das heutige Ereignis noch lange vor Augen und fragt euch selbst, welche Lehren ihr daraus ziehen könnt."

Der Meister wandte sich ab und ließ die Jünglinge nachdenklich zurück.

Dem Kinde gleich

Der Meister sprach: „Ein Kind lehren zu wollen, dass seine gegenwärtigen Freuden vergänglich sind, wäre fürwahr unangemessen. Früher oder später muss jeder Mensch durch das Tal der Einsicht schreiten und erkennen, dass das Vergängliche vorübergeht. Doch gibt es einen Pfad, der aus diesem Tal wieder zur zwanglosen Freude hinaufführt. Der Weise ist dem Kinde gleich. Überwiegend heiter im Gemüt, ist er aus freien Stücken.“

Der vorzügliche Apfel

Der Meister sprach: „Ein Vetter von Li-Ning bemerkte einst, dass alles, was möglich sei, auch eintreten werde. Li-Ning entgegnete ihm, dass alles, was wirklich erscheint, nicht wirklich sei. Daraufhin sprach ein Dritter, der das Gespräch mit angehört hatte: »Meine Herren, dieser Apfel schmeckt vorzüglich.«“

Ruf der Wahrheit

Der Meister sprach: „Stille ist der sanfte Ruf der Wahrheit.“

Die Tür

Der Meister sprach: „Du bist die Tür, durch die du gehen musst, um dich zu finden.“

Der Zweck des Führens

Als sich Đe Ghê und der Meister zum ersten Mal begegneten, da bat der junge Laie den Erhabenen inständig darum, ihn in die reine Lehre von der Hohen Weisheit einzuführen.

Daraufhin sprach der Meister: „Ich bin niemand und weiß nichts. Was könnte ich dich also lehren? Doch mein Ursprung ist die Quelle allen Seins und allen Glücks. Zu ihr werde ich dich führen, weil ich diesem Zwecke hingegeben worden bin.“

Wie die Dinge stehen

Der Meister sprach: „Solange du isst, musst du damit rechnen, dass du dir ab und an den Magen verdirbst. Urteile, und du wirst geurteilt werden. Doch verzage nicht, und fasse tiefes Vertrauen darin, dass die Dinge für dich zum Besten gestellt sind. Dann wirst du erfahren, dass dem so ist.“

Alles und nichts

Der Meister sprach: „Gib dein 'Ich' auf, dann bist du niemand. Bist du niemand, sei nichts! Bist du nichts, so kannst du alles sein.“

Die Früchte des Dankes

Der Meister sprach: „Ist eines von zwei Kindern erkrankt, so kümmert sich die Mutter mit besonderer Sorgfalt um das kranke Kind. Doch bleibt die Liebe der Mutter für beide Sprösslinge ungeteilt und gleich. Ein Kind, das fest auf beiden Beinen steht, hat des Vaters Hilfe beim Laufen nicht nötig. Doch unterstützt der liebevolle Vater sein Kind weiterhin dort, wo es seiner Hilfe bedarf. Die Menschen fühlen sich oft ungerecht behandelt, wenn sie der Meinung sind, sie hätten mehr Zuwendung verdient, als ihnen zukommt. Doch wenn sie gesund sind und auf eigenen Beinen stehen können, was hindert sie daran, von sich aus auf andere zuzugehen? Ein Pflaumenbaum wird Früchte tragen. Der Stein der Kirsche enthält alles, um seinesgleichen hervorzubringen. Vergeude deine Zeit nicht mit Jammern! Sei liebevoll zu anderen und zu dir selbst, und der Baum der Liebe wird wachsen und gedeihen. Sei zufrieden und dankbar, und du wirst die Früchte des Friedens und der Dankbarkeit mit Hingabe ernten können.“

Was zu tun ist

Der Meister sprach: „Ein wahrhaftiger Lehrer lehrt, dass es auf dem Weg der Erleuchtung nichts Wirkliches zu tun gibt. Er weiß: Wenn etwas getan wird, so liegt dies immer an der geistigen Verfassung desjenigen, dessen Antrieb es ist, zu handeln.“

Verpflichte dich

Der Meister sprach: „Verpflichte dich dem Erlangen der höchsten Wahrheit. Gib dich hin – ganz und gar und im Vertrauen. Sodann unterrichtet dich die Stille von ihren tiefsten Geheimnissen und auch in der dunkelsten Stunde siehst du deutlich und klar.“

Vom leeren Raum

Der Meister sprach: „Wenn du eine Leiter hinaufsteigst, was ist das Wesentliche, um voranzukommen? Sind es die Sprossen, auf die du trittst, oder ist es der leere Raum dazwischen, der überwunden wird? Was könnte man demnach anderes sagen, als dass Leere und Substanz einander bedingen? Nichts und Etwas gehen Hand in Hand – das eine kann ohne das andere nicht sein. Ohne Finsternis kein Sternenzelt. Ohne Gefäß kein Tee. Ohne Zwischenraum keine Buchstaben und keine Flamme ohne Luft. Aus Stille erwächst Klang. Nimmt nun der Tonkrug seine Gestalt an, weil er die Leere umfasst – oder verleiht vielmehr die Leere von innen heraus eine Form? Die Welt zeigt uns, dass Scheinbares und Unscheinbares zum Sein dazugehören, denn nichts gibt es nicht ohne Grund.“

Übergib dein Ich

Der Meister sprach: „Übergib dein Ich dem puren Sein – und tiefe Einsicht wird dir so zuteil.“

Vom Göttlichen

Der Meister sprach: „Das Göttliche scheint paradox. Allem liegt es zu Grunde. Und doch: Über alles ist es erhaben.“

Dicht beieinander

Der Meister sprach: „Zufriedenheit und Enttäuschung liegen derart dicht beieinander, dass das eine oftmals mühelos ins andere übergeht.“

Von Schein und Licht

Der Meister sprach: „Wie die Motte vom Leuchten der Laterne magisch angezogen wird, so vernarrt sich der Mensch beharrlich in den Schein kurzfristigen Glücks. Erkunde die Ursache der Attraktion, die dich in ihren Bann zieht. Wird die Quelle ewig leuchten? Wie lange wirst du bei ihr bleiben können? Ergründe! Finde das ewige Licht.“

Vom Versinken

Der Meister sprach zu Đe Ghê: „Gleich einer Katze, vor deren Augen man eine Schnur hin und her schnellen lässt, folgt der junge Schüler seinen ständig wechselnden Gedanken und springt ihnen ein ums andere Mal mit voller Aufmerksamkeit hinterher. Doch was gäbe es dadurch anderes zu erfahren, als ein immer gleiches Spiel der Zerstreuung? Darum folge in der Meditation nicht länger den unzähligen Gedanken, sondern lass dich auf die Ruhe ein, die du am Born all deiner Regungen anzutreffen vermagst. Sei still und spüre, wo alle Gedanken entspringen. Vertiefe dich. Forsche nach. Gehe tiefer und tiefer. Versinke. Sei nicht wie die Katze, gebannt vom lächerlichen Wechsel einer vorgetäuschten Aufregung. Lass dich von deinem unruhigen Gedankenspiel nicht zum Narren halten. Sei der dauerhafte Hintergrund, vor dem sich alles ereignet. Gedanken und Atem sind Bewegung. Du selbst bist die alles bezeugende Kraft. Sei dir darüber im Klaren. So wirst du nach und nach zu der Erkenntnis gelangen, dass du mehr bist, als das, von dem du vormals dachtest, es zu sein.“

Nimm an

Der Meister sprach: „Nimm das, was ist, als das an, was du willst. Welch Freude!“

Vom Fallen der Frucht

Der Meister sprach: „Die Bemühung wird ins Mühelose übergehen. Es ist weder falsch noch richtig, sich nicht zu bemühen. Doch sind Wirkungen die Kinder ihrer Ursache. Geh deinen Weg. Niemand kann fehlen; lediglich in der Zeit scheint es so zu sein, weil innerhalb der Zeit das Ganze, das Ewige weder gesehen noch verstanden werden kann. Aber auch das ist letztendlich egal. Derweil: Strebe weiter, bemühe dich, sei achtsam. Die Frucht fällt, wenn der Anlass dazu gegeben worden ist.“

Vom Sehen

Der Meister sprach: „Das Herz vermag zu erkennen, was das Auge nicht sieht.“

Was angebracht ist

Der Meister sprach: „Das Vergängliche zu schätzen und sich des Unvergänglichen gewiss zu sein, das ist wahrlich angebracht.“

Die Legende von Zhongsun

Der Meister sprach zu seinen Schülern: „Der Legende von Zhongsun nach, schaffte es der unbezwingbare Soldat Zhongsun einzig und allein mit einer Nadel bewaffnet, sieben Dörfer für sich einzunehmen und zu beherrschen. Mit einer nie zuvor bezeugten Willenskraft und dem Verlangen, ein bedeutender Mann zu sein, kämpfte Zhongsun erfolgreich von Sieg zu Sieg. Vom Volk gefürchtet, begab sich der ehrgeizige Streiter schließlich zum berühmten Goldenen Tempelberg und dem darauf erbauten Kloster, das von dort aus seit vielen Jahrhunderten ein magisches Licht der Weisheit auf die Welt zu legen vermochte. Die Bewohner des Klosters folgten dem Grundsatz, dass sich ereignet, was sich ereignen solle, und dass nichts in Erscheinung tritt, was ungeschehen bleiben soll. Demnach begegnete man im Kloster sehr gelassen dem Umstand, dass der mächtige Zhongsun, nur mit einer Nadel ausgestattet, die umliegenden Dörfer in seine Gewalt gebracht hatte und nun fest gewillt war, das Kloster für sich einzunehmen. Trotzdem gingen die Mönche und Nonnen des Klosters unbekümmert ihren Tätigkeiten nach und erledigten weiterhin furchtlos und geduldig ihre täglichen Aufgaben. Da begab es sich, dass augenblicklich und ohne erkennbaren Grund Zhongsun nicht mehr im Stande war, das, was er zuvor begehrte, als Objekt der Begierde bei sich zu halten, um weiterhin danach zu trachten. Eine unerklärliche Erleichterung schlich sich in den Körper des Kämpfers ein und eine sanfte Willenlosigkeit ergriff seinen Geist. So gingen für Zhongsun alle seine Ziele verloren und gleichfalls sein Verlangen, dem sich zuvor noch alles hatte beugen müssen. Jeglicher Wunsch Zhongsuns nach Besitz und Macht wurde schlagartig aufgelöst und in ein sanftes Gefühl der Zufriedenheit verwandelt. Der Glückliche mochte nun nichts anderes mehr tun, als zusammen mit den Menschen an diesem magischen Ort jenen wahrhaft möglichen Frieden zu leben, in der Gewissheit, dass sich ereignet, was sein soll, und sich nicht ereignet, was nicht sein soll. Die eroberten Dörfer, mit einer Nadelspitze erkämpft, gingen nach und nach an andere machthungrige Kämpfer über. Die Klostergemeinschaft lehrte weiterhin ihre erhabene Lehre: Das Wahre bleibt ewig unbedroht. Das Unwirkliche ist immer nur nichts. Ergiebig sprudelt die Quelle des Friedens aus eben dieser Gewissheit.

„Tatsächlich, meine lieben Schüler“, fuhr der Meister fort, „ist dies nur eine von vielen Geschichten. Durch euren Glauben aber könnt ihr den wahren Kern darin in euch zum Keimen bringen und leben lassen. Denkt darüber nach.“

Die Kraft der köstlichen Selbsterkenntnis

Der Meister sprach: „Der Grashalm spürt frischen Saft in sich aufsteigen. Friedlich gibt er sich dem Himmel hin. Die Blüte tut sich auf – hütend offenbart sie sanft ihr Innerstes und heißt den warmen Schein der Sonne willkommen. Der Baum erfährt sein Wachstum, von der Wurzel bis zur Krone – wie überaus stark er doch ist. Der Kolibri ist eins mit seinem Flügelschlag. Der Wind bewegt sich im Ganzen. In sich selbst ruhend, verbleibt das All. Das Leben erlebt sich selbst. Derart wundervoll ist die Kraft der köstlichen Selbsterkenntnis.“

Das Geschenk der Wahl

In einem Brief an seinen Bruder brachte der Meister die abschließenden Worte zu Papier: „Jeder Atemzug beherbergt die Wahl, dem Lauf der Welt in Liebe beizuwohnen. Unsere gesamte Haltung entstammt dem Fundament dieser Entscheidung. Oh Liebender, oh du Geliebter – finde dein Glück darin!“

Von der innewohnenden Bedeutung

Der Meister sprach: „Die Statue tritt hervor, weil das Unbrauchbare aus dem Stein herausgelöst wird. Späne fallen hinab, wenn der Künstler das Idol aus einem Stück Holz schnitzt. Glanz legt sich bereitwillig auf glatte Flächen, doch zuerst rieselt Staub dank Fleiß und Politur. Wer lediglich auf Dreck und Reste am Boden hinuntersieht, der mag dabei vielleicht an Zeitverschwendung denken. Derjenige, der das Kunstwerk erfasst, vernimmt sicher das lohnende Ziel. Solch ein Geist sagt sich: »Entfernst du das Überflüssige, so förderst du Bedeutendes zutage.« Das vermeintlich Wertvolle aber erhält seine Bedeutung erst durch die Abspaltung vom mehr oder weniger Unbrauchbaren. Der einen Seite wird jenes Maß an Bedeutung hinzugefügt, das der gegensätzlichen Seite entzogen wird. So erfindet der Mensch eine Vielzahl von Werten in Anbetracht von Bestimmung und Zweck. Wie leicht wird dabei übersehen, dass allem eine sämtliche, verbindende Bedeutung innewohnt – in welcher Form auch immer etwas in Erscheinung treten mag. Merke dir: Verborgen bleibt das Ganze für den menschlichen Geist, wenn es teilweise unerkannt bleibt.“

Vom Wollen und vom Sein

Der Meister sprach: „All meinen geliebten Schülern rate ich, vom Freisein-Wollen frei zu sein. Vollkommene Freiheit geht über Gegensätze wie 'frei' und 'unfrei' hinaus. Sie ist frei davon, in irgendeiner Form 'etwas' zu sein. Unangreifbar liegt sie allem zugrunde – ohne Gegenteil.“

Vom Übergang

Đe Ghê bat seinen Meister um eine theoretische Anregung, der er sich während der anstehenden Gartenarbeit gedanklich widmen mochte.
Der Meister tat dem Schüler freudig diesen Gefallen und sprach: „Höre mir zu! Du erfährst dich als eigenständige Person, als eine sich selbst verwirklichende Identität, als Mensch mit einer eigenen Lebensgeschichte, als jemand, der dieses mag und jenes nicht mag, der sich fürchtet oder freut, der erleichtert oder erschüttert ist aufgrund irgendeiner Errungenschaft, einer Wendung oder einer Begebenheit. Worte und Bilder erscheinen durch die Berührung deines Geistes mit der wahrgenommen Welt. Wie die Pinselspitze, die an das Blatt heranreicht und Farbe auf das Papier gibt, erfährt sich dein Bewusstsein als der Punkt, an dem ein Übergang zu existieren scheint. Doch ist dein angebliches 'Ich' nicht mehr als ein gedankliches Portrait, eine Ansammlung spezieller Erscheinungen innerhalb der Zeit und nicht zuletzt ein gigantischer Hort der Erinnerung. Gedanken und Gefühle ereignen sich während des Kontaktes zwischen deinem Bewusstsein und der von ihm wahrgenommen Welt. Ein Pinsel, eine Schreibfeder oder ein Stück Kohle berührt den Untergrund, um das Besondere, die Geschichte, das subjektive Bild förmlich abzulegen. Dein Geist berührt mit Aufmerksamkeit, was er als inneres und äußeres Erlebnis wahrzunehmen scheint, und wählt dadurch zu erfahren, was er im Gegensatz zur äußeren Welt als geschlossenes 'Ich' innerhalb von sich selbst in Form einer imaginären Gestalt akzeptiert. Unzählige Ideen über 'dich' hältst du auf diese Weise fest, um sie zu jener einen, großen Idee vom bestimmten, konsistenten 'Ich' zusammenzufügen. Ich sage dir: Zu jeder Zeit bestimmst du selbst, was du über dich glaubst. Sehr selten erkennt jemand, was er ist. Ich gebe dir eine weitere Vorstellung: Der gegenwärtige Moment wirkt wie ein Tor, das die erschaffende Einheit und das Erschaffene miteinander verbindet. Du erfährst deine vollkommene Existenz durch jeden Moment hindurch, indem du einfach spürst, dass du bist. In diesem Gespür findest du Ursprung und Wirkung deines Daseins miteinander vereint. Gleich einem Fenster, durch das sich die Strahlen der Sonne auf die Gegenstände im Raum legen. In Wirklichkeit kann das Gesehene weder vom Sehenden noch von der Quelle des Lichts getrennt werden – und innen und außen haben keine eigenständige Bedeutung, weil alles die Wirkung innerhalb eines Ganzen ist. Solange du dich selbst vom Grund deiner geistigen Wahrnehmung sowie von deren Wirkung zu unterscheiden wünschst, bist du dir nicht über deine wahre Natur im Klaren. Ich sage dir: Dein Sein reicht in eine wahrhaft unvorstellbare Unendlichkeit hinein. Vollständig verstehen kannst du sie mit deinen Mitteln nicht, weil der Verstand nur ein winziger, ja sogar unbedeutender Teil des Ganzen darstellt. Ebenso wenig kann eine Hand sich selbst umfassen. Doch rate ich dir inständig: Ergründe diese unendliche Tiefe in dir. Du bist ihr Zuhause, weil sie dein Zuhause ist – denn beide seid ihr eins. Deine Erfahrung wird über das hinaus gehen, was mit Worten nicht erklärt werden kann. Schaue beharrlich und sanft nach innen, denn ohnedies bedeuten meine Worte nichts. Der Meister ist nur die Form, die du gewählt hast, um dich zu lehren, was du bist.“

Geistige Freiheit

Der Meister sprach: „Der Segen geistiger Befreiung liegt darin, zu erkennen, dass es Gefangenschaft nie gab.“

Vom Vergessen

Der Meister sprach: „Was du vergisst, hat keine Wichtigkeit und wird in deiner Wahrnehmung aufhören, zu sein.“

Von der Entschlossenheit

Der Meister sprach: „Wenn du unentschlossen bist, so lässt du dich leicht ablenken. Bist du entschlossen, dann fällt dir Beharrlichkeit nicht schwer. Dem Unentschlossenen kann alles Mögliche widerfahren. Der Entschlossene gelangt schnell an sein Ziel. Wohl dem Unentschlossenen, der sich der Gnade des Lebens anvertraut. Wohl dem Entschlossenen, der das wahre Ziel kennt.“

An dunklen und an hellen Tagen

Der Meister sprach: „An manchen Tagen ist es dunkel, an anderen ist es hell. Doch niemals verlässt uns unsere Vollkommenheit, die wir sind. Sich so zu nehmen, verleiht mehr als nur Gelassenheit.“

Von der Verwirklichung

Der Meister sprach: „Eine Rose betört mit lieblichem Duft. Einen anderen Geruch hat der Kürbis anzubieten. Aus sich selbst heraus tritt immer das Ganze hervor; doch uns erscheint es als Vielfalt. Das Wirkliche verwirklicht sich stets im Augenblick.“

Über die Schuldzuweisung

Der Meister sprach: „Der Egoist sucht die Schuld häufig bei anderen. Der Altruist sieht die Schuld eher bei sich. Der Weise verzichtet auf Schuldzuweisung – ganz und gar.“

Gib, was du bist

Der Meister sprach: „Gib aus freien Stücken und mit vollem Herzen – nicht, weil du dadurch etwas für dich selbst erwartest, sondern aufgrund dessen, was du bist.“

Vom Annehmen

Der Meister sprach: „Was du annimmst, das ist wahr für dich.“

Der Weg zu dir bist du

Der Meister sprach: „Du musst dich suchen, um dich zu finden. Aber: Sei nur, und du bist.“

Vom Feinschliff

Der Meister sprach: „Der Lauf einer Kugel ist tadellos, wenn sie feingeschliffen und von einwandfreier Beschaffenheit ist. Zeigt sich dein Geist eher von der feinen Seite, frei von tiefen Kerben, derben Auswüchsen und groben Unebenheiten, so lässt er sich wesentlich harmonischer auf den harten Grund der Welt ein. Halte deinen Geist geschmeidig. Durch unnützen Widerstand geht wertvolle Kraft verloren. In sich selbst gefestigt und dem Leben folgsam ergeben, erreicht der Erfahrene ruhig und ausgewogen sein Ziel.“

Hüter der Illusion

Der Meister sprach: „Das Ego ist der Hüter seiner Illusion.“

Von der Auflösung

Der Meister sprach: „Der Strebsame wagt es, eine alte Erkenntnis für eine neue zu verlassen. Der Erhabene ist jederzeit dazu bereit, seine Lehre für die Wahrheit aufzugeben. Der Meister ist dazu fähig, sich in der Wahrheit aufzulösen.“

Von den Weisen des Erleuchteten

Der Meister schrieb eine Notiz: „Wahrheit ist meine Sprache. Die Liebe ist mein Heim. Güte ist mein Name. Glückseligkeit ist meine Erscheinung. Erkenntnis ist mein Charakter. Freiheit ist mein Sein. Nichts gibt es, das ich sein will, doch bin ich freudig, was ich bin. Es gibt nichts, das ich verlange. Der Frieden ist mein sanftes Wesen.“

Sein

Der Meister sprach: „Leben ist Entstehen, Werden und Vergehen. Liebe ist unerschütterliches Sein.“

Tätigkeit und Eigenschaft

Der Meister sprach: „Wenn ich höre, bin ich der Hörende. Wenn ich lese, bin ich Leser. Wenn ich spreche, bin ich Sprecher. Wenn ich singe, bin ich Sänger. Wenn ich tanze, bin ich Tänzer. Doch was bleibt immer gleich?“

Von der Lehre

Der Meister sprach: „Der Meister erfährt seine Lehre in jedem Moment neu.“

Vom Glücklichen

Der Meister sprach: „Der Glückliche weiß nicht viel von 'gut' und 'schlecht'. Der Glückliche erkennt bescheidenen sein Glück.“

Vom Zweck der Welt

Der Meister sprach: „Fragst du die Welt nach deinem Zweck, so weiß sie vieles vorzutragen. Fragst du dich selbst danach, so wirst du einen wesentlichen nennen.“

Guten Tag

Der Meister sprach: „Der Neugierige fragt: Was? Der Einfühlsame fragt: Wie? Der Sorgsame fragt: Warum? Der Liebevolle spricht: Guten Tag!“

Von der Rastlosigkeit

Der Meister sprach: „Es ist das einfachste auf der Welt, lediglich zu sein. Doch fällt es uns besonders schwer, das allein als Grundlage des Glücks anzuerkennen. Ein andauerndes Verlangen nimmt daraufhin Besitz von unserem Geist. Ein fortlaufender Drang von Gedanken hält an, verändern zu wollen, was ist. Dadurch ermüdet der Geist im Zuge seiner Rastlosigkeit. Wisse: Verweile still im Sein, und ich verspreche dir: Die Gegenwärtigkeit des Augenblicks wird sich deiner freudig annehmen und dich dem Gewahrsein deines Glücks zurückerstatten.“

Von den Zuständen

Der Meister sprach: „Der Zornige sieht in seinem Bruder ein Ego, der Freundliche sieht im Bruder seinen Freund. Der Liebende erkennt im anderen stets nur sich selbst.“

Die Gnade des Lebens

Der Meister sprach: „Setze deinen Glauben in die Vollkommenheit. So kannst du das, was sich ereignet, und das, was nicht geschieht, wahrlich als 'Gnade des Lebens' bezeichnen.“

Ich bin

Der Meister sprach: „Meine Mutter ist die Liebe. Mein Vater ist Wahrheit. Meine Schwester ist Güte und mein Bruder ist Frieden. Die Freude ist meine Tochter, das Glück ist mein Sohn. Mein Name lautet: Ich bin.“

Die schlafende Kobra

Der Meister sprach: „Ärger ist wie eine schlafende Kobra. Nur der Törichte würde versuchen, sein Unheil zu wecken.“

Von der Qualität

Der Meister sprach: „Wenn du dich offen und aufmerksam deinem Inneren zuwendest, kannst du in manchen Zeiten ein eher leichtes Gemüt feststellen, ein andermal kannst du deine Existenz sicher nur schwer ertragen. Du bist Zeuge von so vielen inneren, scheinbar verschiedenen Qualitäten – dabei ist das, was du bist, frei von Qualitäten, oder anders gesagt: Was du bist, hat nur eine Qualität: sich selbst.“

Vom Lieben

Der Meister sprach: „Lieben bedeutet, Liebe zu sein.“

Von der Anstrengung

Der Meister sprach: „Was ist anstrengender, als das Misstrauen der Welt und ihren Gestalten gegenüber? Was ist beunruhigender, als eine ängstliche Haltung zum Leben? Was wiegt schwerer, als sich selbst nicht zu kennen?“

Von den Segmenten

Der Meister sprach: „Deine Körper-Verstand-Gefühl-Geist-Identifikation kennt unterschiedliche Verfassungen, die scheinbar zyklisch oder unvorhersagbar wiederkehren können. Dazu gehören verschiedene emotional und energetisch beschaffene Segmente, die Einfluss auf deine Grundstimmung zu haben scheinen. So erfährst du phasenweise manche Segmente besonders intensiv, und nicht zuletzt fühlst du dich dadurch insgesamt leichter oder schwerer; du fühlst dich mehr oder weniger fröhlich, betrübt oder balanciert. Innerhalb deiner Beobachtungen erkennst du manchmal ziemlich deutliche Tendenzen, gibst ihnen einen Wert und fühlst dich einem entsprechenden Sog ausgeliefert. Diese Art der Selbstwahrnehmung kannst du über mehrere Stunden, Tage oder Wochen bemerken, bewerten, aufrechterhalten, verstärken oder ignorieren. Einige Segmente sind dir sicher wohl bekannt: Das Segment des Schmerzes. Das Segment der Freude. Das Segment der Völlerei. Das Segment der körperlichen Betätigung. Das Segment der Müdigkeit. Das Segment der geistigen Klarheit. Das Segment der Traurigkeit. Das Segment der Ängstlichkeit. Das Segment des Widerstandes. Das Segment der Niedergeschlagenheit. Das Segment der Ruhe. Das Segment der Gereiztheit. Das Segment der Neutralität. Das Segment der Resignation. Das Segment der Ausgeglichenheit. Das Segment der Schwarzmalerei. Das Segment der Hoffnung. Das Segment der Verwirrung. Das Segment der sexuellen Triebhaftigkeit. Das Segment des Desinteresses. Das Segment der Zuneigung. Das Segment der Zurückhaltung. Das Segment der Gutmütigkeit. Das Segment der Zerstreuung. Das Segment der Konzentration. Solche Segmente geben deiner Verfassung eine Grundnote, eine Färbung, eine Essenz. Nun sage ich dir: Kämpfe nicht gegen sie an. Vertraue deinem Gespür. So wie sich das gebärende Tier einen sicheren Platz für die Geburt sucht, so nimm du einen sicheren Platz für dich ein, den du brauchst, um zu nehmen, was du brauchst, und um loszulassen, was dir eine Last ist. Fühle, was dir gut tut. Sei gutmütig zu dir und nicht zu streng. Lass los von jeglicher Verurteilung deiner selbst. Du musst nichts weiter tun, außer im Frieden mit dir zu sein. Vertraue der Kraft der Harmonie und lass dich von ihr führen. Du wirst sehen: Du kannst nicht sein, was kommt und geht. Du bist über das Veränderliche erhaben, weil du es bezeugst. Folge dem Weg der Selbstergründung; lass dich ein auf die Quelle unveränderlichen Glücks.“

Vom neuen Menschen

Der Meister sprach: „Es wird eine neue Lehre vom Menschen geben – und ein neuer Mensch wird kommen. Hingegen bleibt das ganze Universum die immer gleiche Bühne für das Schauspiel allen Lebens. Im Spiel ändert sich die Musik, nicht aber das Instrument.“

Farbe und Licht

Der Meister sprach: „Die Farben des Regenbogens und das Sonnenlicht sind dasselbe, nur in unterschiedlicher Erscheinung.“

Die göttliche Eigenschaft

Der Meister sprach: „Vollkommenheit ist die Eigenschaft des Göttlichen.“

Vom wohltuenden Verhalten

Der Meister sprach: „Wenn ich durstig bin, trinke ich. Wenn ich hungrig bin, esse ich. Wenn ich traurig bin, hoffe ich. Wenn ich glücklich bin, lache ich.“

König im Geist

Der Meister sprach: „Wer in seinem Geiste König ist, führt selbst als Bettelmann ein Leben ohne Furcht und Sorgen.“

Die zeitweilige Verkleidung

Der Meister sprach: „Alles, was du tust, um zu ändern, wie du bist, ist dasselbe, wie einfach nur du selbst zu sein. Das Ei wandelt sich zur Raupe, spinnt sich in den Kokon, wird zum Schmetterling und erzeugt seine Nachkommenschaft. Das Reiskorn geht in den Boden ein, sprießt, bricht durch die Erde, wächst als Halm empor und bringt wiederum seinesgleichen hervor. Trotz aller scheinbarer Veränderung, frage dich vielmehr: Was bleibt immer gleich? Das Leben mag verschiedene Formen annehmen, doch ändert es dabei niemals, was es im Grunde ist. Der erkennbare äußere Wechsel ist nur eine zeitweilige Verkleidung der inneren, unveränderlichen Kraft allen Lebens.“

Die Sphäre der Ganzheit

Der Meister sprach: „In Anbetracht der unfassbaren Zeit, durch die diese Welt und alles mit ihr reist, müssten wir da nicht vielmehr meinen, dass das Leben scheidet und der Tod wiederum alles miteinander vereint? Doch was das Leben trennt und der Tod verbindet, und was das Leben verbindet und der Tod trennt, das bleibt für immer jenseits von Leben und Tod durch die Sphäre der Ganzheit geeint.“

Problem und Lösung

Der Meister sprach: „Denke nicht in Problemen, sondern handle in Lösungen.“

Von den Aufgaben

Der Meister sprach: „Gib einem eigenverantwortlichen Menschen eine Aufgabe, und er fühlt sich bevormundet. Gib einem ziellosen Menschen keine Aufgabe, und er wähnt sich verloren.“

Dein Weg zur Wahrheit

Der Meister sprach: „Jemand redet alles Mögliche. Ein anderer redet nur das Nötigste. Du selbst sollst dein Weg zur Wahrheit sein.“

Der Traum

Đe Ghê erwachte aus einem Traum, in dem sein Meister zu ihm sprach: „Ich scheide als Meister dahin, und komme wieder in diese Welt, um freudig das Leid zu erfahren, das ich für immer überwunden habe.“

Vom Nutzen

Der Meister sprach: „Der weite Himmel, der des Vogels Freiheit bedeutet, ist ein Unheil für den Fisch. Was die Blüte ersticken ließe, hält die Wurzel am Leben. Wem Zeit und Raum gegeben sind, der wird sie nutzen müssen, wozu sie bestimmt sind.“

Orientierung im unendlich Ganzen

Der Meister sprach: „In der unendlichen Ganzheit ist Orientierung ebenso unmöglich wie unnötig.“

Von der Verwirklichung

Der Meister sprach: „Verwirklicht ist, was wirklich ist – nichts außerdem.“

Weisheit, Wissen, Liebe, Wahrheit

Der Meister sprach: „Weisheit ist Wissen durch Liebe zum Leben. Wahrheit ist Wissen, das niemals verloren gehen kann.“

Unsagbar reich

Der Meister sprach: „Unsagbar reich ist der, der anderen sein Lächeln schenkt – vollkommen frei und ohne Unterlass.“

Sonne ist lediglich ein Wort

Der Meister sprach: „Bedenke: Sonne ist lediglich ein Wort; das Symbol einer geistigen Einbildung. Denn nur die Sonne selbst ist Sonne. Doch indem sie ihr Sein mit uns teilt, ist sie ein Teil von uns. Derart ist alles miteinander verbunden.“

Vom Kennen

Der Meister sprach: „Wenn du dein wahres Selbst kennst, so kennst du alle anderen. Wenn du dich selbst nicht kennst, so kennst du niemanden.“

Der heilige Augenblick

Der Meister sprach: „Ein heiliger Augenblick ist jener, in dem du die Offenbarung erfährst, dass es keinen Augenblick geben kann, der nicht heilig ist.“

Grenzüberschreitung

Der Meister sprach: „Es gibt Vögel, die schwimmen, und es gibt Fische, die fliegen. Grenzüberschreitung ist ein elementares Prinzip der Natur.“

Meditation des Lebens

Der Meister sprach: „Wenn du dein wahres Selbst kennst, dann ist das ganze Leben Meditation.“

Vom Mitleid

Der Meister sprach: „Stell dir vor, du siehst einen Kaufmann, der an einem Bettler vorübergeht und ihn von oben herab mit einer verächtlichen Bemerkung straft. Wer von uns könnte daraufhin mit Sicherheit sagen, welcher der beiden Männer das schwerere Los gezogen hat und dringend der Hilfe bedarf?“

Du, mein Lehrer

Der Meister sprach: Durch dich erkenne ich mich selbst in dir als meinen Lehrer. Denn du bist, was ich bin.

Die Heiligkeit der Welt

Der Meister sprach: Der Ozean fügt alles, was in ihm schwimmt, zusammen. Der Himmel eint, was in ihm fliegt. Der Boden dieser Welt verbindet alle Wesen, die darauf gehen – so auch dich und mich. Unerschöpflich ist die Heiligkeit, die darin weilt.“

Unfassbar frei

Đe Ghê schrieb die Notiz: Frei sind wir geboren, unfassbar frei sogar, dass wir – aus eben solchen Stücken – die eignen Herzen selbst davor verschließen dürfen, dass Liebe ist, was Liebe ist.“

Hand in Hand

Der Meister sprach: Lernen und Lehren sind zwei Seiten einer Medaille. Meister, Lehrer und Schüler gehen Hand in Hand. Niemand ist unter ihnen, der nicht des anderen Vollkommenheit bedingt.“

Medizin

Der Meister sprach: Wenn es regnet, schätze den Nutzen und den Zweck des Regens in diesem Moment. Er erfüllt seine Aufgabe vollends perfekt. Wenn der wolkenlose Himmel den Stand der Sonne offenbart, so finde auch daran Gefallen. Aber klammere dich nicht – weder an das eine noch an das andere. Hältst du dich zu sehr an einer bestimmten Vorliebe fest, so erfährst du andernfalls im Zuge der wechselhaften Natur aller Dinge mehr Schwierigkeiten, als dir lieb sind – nicht nur aufgrund der Wechselhaftigkeit selbst, sondern insbesondere durch den Konflikt, der zwischen dem lebendigen Fluss der Veränderung und deinen konstruierten Idealen entsteht, auf deren Erfüllung dein Ego so eindringlich hofft, darauf beharrt und darum bangt. Dankbarkeit wirkt stets wie Medizin – wahre Wunder.“

Rache

Der Meister sprach: Nicht ein Mensch, der jemals wahren Frieden durch Vergeltung erlangt hätte. Wer eine Kerze löscht, der weiß, dass es dadurch dunkler werden muss.“

Niemals

Der Meister sprach: Niemals gibt es weniger als nichts, und niemals mehr, als das, was ist.“

Die Entkräftung des Urteils

Der Meister sprach: Das Wechselhafte, der stete Strom der Veränderung, entkräftet jedes Urteil dieser Welt, so wie Wind und Wasser im Lauf der Zeit ganze Gebirge abtragen und zu Staub zerfallen lassen.“

Vom Vollbringen

Der Meister sprach: Fürwahr, du wirst am Ende deines Lebens sagen können: Ich habe Großes vollbracht! Ob du es zu Lebzeiten erkennst, ist dafür unerheblich.“

Ich bin das Ich bin

Der Meister sprach: Ich bin nicht die Versenkung. Ich bin nicht das Versenkte. Ich bin nicht der Versenkende. Und doch: Ich bin alles in allem. Ich bin weder das Objekt, noch bin ich das Subjekt. Ich bin das Ich Bin.“

Der Dienst des Lebens

Der Meister sprach: Ersetze dein Wollen durch Nicht-Wollen. Daraufhin mache dich frei davon, weder das eine noch das andere vorzuziehen. So wird das, was sich ereignet, ein Dienst des Lebens für sich selbst sein.“

Die endgültige Antwort

Der Meister richtete das Wort an seine Schüler: Stille ist die endgültige Antwort auf all eure Fragen.“

Die schwere Last

Der Meister sprach: Wenn du abfällig über jemanden denkst, wer, glaubst du, ist der Leidtragende? Die Person, von der du schlecht denkst, oder du, der du solch schwere Last in deinem Geist mit dir herumträgst?“

Von der Lenkung

Der Meister sprach: Der gefallene Baum wird zur Grundlage für neues Leben. Gleichermaßen dient alles Scheitern dieser Welt einzig und allein dem Wachstum. Wenn deine Wünsche sich nicht erfüllen, so dient dies dem Zweck, dich zur Befreiung von allen Wünschen zu führen. Wenn dir etwas scheinbar Schlimmes widerfährt, dann nur deshalb, weil dich das Leben lenkt – hin zum Ziel deiner Bestimmung; hin zur Essenz deiner wahren Natur.“

Von der Verehrung

Der Meister sprach: Das Göttliche verkündet in jedem Moment: Verehre meine Existenz, und du verehrst meine Wahrhaftigkeit. Verehre meine Wahrhaftigkeit, und du verehrst deinen Ursprung. Verehre deinen Ursprung, und du verehrst dich selbst. Verehre dich selbst, weil du bist, was ich bin.“

Der Grund aller Dinge

Der Meister sprach: Das Selbst ist der Grund aller Dinge im Selbst.“

Über die Klage

Der Meister sprach: „Klagst du, so singst du das schräge Lied der Unzulänglichkeit.“

Vom Sturz der Konzepte

Der Meister sprach: Die Veränderung stürzt alle Konzepte ins Nichts hinein.“

Weder noch und einfach so

Der Meister sprach: Ich bin sowohl das 'weder noch' in allen Dingen, als auch das 'einfach so' in aller Dinge Mitte.“

Entkräftung

Der Meister sprach: Das Göttliche wird das, was sich entgegensezten will, entkräften – so wie das Licht die Dunkelheit erhellt.“

Die Welt des Geistes

Der Meister sprach: Wissen ist ein Produkt des Geistes. Alles Wissen ist gebunden an Zeit. Jenseits der Zeit gibt es kein Wissen. Die Grenze zwischen Wissen und Wahrheit ist Erkenntnis. Erkenntnis transzendiert das Denken ins Sein. Die Welt des Geistes ist bloß ein kurzweiliges Schauspiel im Haus der Ewigkeit.“

Herrschaft über den Geist

Der Meister sprach: Hüte dich vor jener geistigen Verfassung, die den Mangel heraufbeschwört. Werde Herr über deinen Geist. Ist dies geschehen, so erscheint dir das Leben niemals mehr unrecht.“

Die zuversichtliche Begleitung

Der Meister sprach: Es bist nicht länger du, der tut. Begleite voller Zuversicht, was durch das Leben sich in allem offenbart.“

Von der Verurteilung

Der Meister sprach: Glaube nicht, du wärst über diejenigen erhaben, die du verurteilst. Wenn du so denkst, dann ist das Gegenteil der Fall.“

Von der Entsagung

Der Meister sprach: Erkenne: Schließlich liegt deine Freiheit nur in der Entsagung vom Wunsch nach Befreiung.“

Die Natur des Selbst

Der Meister sprach: So wie Hitze die Natur des Feuers ist, so ist das Absolute die Natur des Selbst.“

Von der Wahrhaftigkeit

Der Meister sprach: Je weniger du erzürnst, zweifelst und dich ängstigst, desto wahrhaftiger ruhst du in deinem Selbst.“

Die Wirkung der Liebe

Der Meister sprach: Die heiligen Schriften verkünden, dass alles eine Wirkung der Liebe ist und dass nichts außerhalb dieser Liebe existiert. Wenn du diese Schriften als das Wissen deines Herzens deuten kannst, so wirst du sie nicht widerlegen wollen. Wenn du die Schriften leugnest, so hast du ihre Ursache noch nicht erkannt.“

Von den Zuständen

Der Meister schrieb: Über den körperlosen Zustand gelangte ich in den Mutterleib. Durch den Mutterleib kam ich ins Leben. Vom Leben gehe ich wieder in den körperlosen Zustand zurück. Immer bin ich in allem. Niemals war ich getrennt.“

Über die Aufrichtigkeit

Der Meister sprach: Derjenige, der sich Wohltäter nennen lässt, und doch kein solcher ist, erfährt dadurch ganz sicher ein Unglück. Vieles hier auf Erden ereignet sich als ein unechtes Schauspiel von Persönlichkeiten, um anderen Persönlichkeiten zu gefallen. Doch: So wie das Diebesgut einen Dieb nicht vollständig glücklich machen kann, so ist vorgetäuschtes Verhalten wie ein Gefäß ohne Boden. Wahrhaft: König ist, wer nur sich selbst regiert. Aufrichtigkeit ist seine edle Tugend und Freude ist sein Königreich.“

Von den Anstrengungen

Der Meister sprach: Alle Anstrengungen münden in die Anstrengungslosigkeit – dorthin, woher sie gekommen sind – so wie das Wasser der Flüsse ins Meer zurück fließt, bevor es als Regen wieder vom Himmel fällt.“

Vom rechten Glauben

Der Meister sprach: Aus Zweifel erwachsen Zweifel. Dem rechten Glauben folgen Vertrauen und Glück.“

Wer?

Der Meister sprach: Wer würde um das bitten, was er bereits hat? Wer würde nach dem suchen, was er ist? »Wer bin ich?« fragt sich derjenige, der sich selbst nicht kennt, in der Hoffnung, die erlösende Antwort zu finden.“

Von der Quelle

Der Meister sprach: Da unsere Natur Vollkommenheit ist, kann jene grundlegende Frage »Wer oder was bin ich?« mit wohl begründeter Zuversicht gewissenhaft und beständig gestellt werden. Sie wird den Suchenden zum Gesuchten führen und die gebührende Antwort zum Fragenden bringen. Denn: Des Menschen Quelle ist des Menschen Ziel.“
 

Das große Ich

Der Meister sprach: Nichts und niemand ist getrennt von mir. Alles ist das große Ich, das kosmische Nicht-Ich. Ist die Hand ohne Finger eine Hand? Und umgekehrt: Ohne Hand treten keine Finger in Erscheinung. Die Vielheit definiert das Ganze und das Ganze besteht durch die Vielheit. Zelle, Blut, Finger, Hand, Arm, Körper, Erde, Kosmos – alles ist durchdrungen vom Äther der Unendlichkeit – im Kleinen wie im Großen, kleiner als das Kleinste und größer als das Größte, sichtbar und unsichtbar, kennbar und jenseits des Erkennbaren – das alles ist durch mich, wie ich durch dieses bin.“

Die Luft wirft keinen Schatten

Der Meister sprach: Ist es nicht so, dass dein unsteter Geist bereits mit vielen Menschen, Umständen und Begebenheiten im Krieg lag, stritt und kämpfte, ohne, dass auch nur irgendjemand davon Notiz genommen hätte? Kann das wirklich sein? Wisse: Luft wirft keinen Schatten.“

Das archaische Relikt

Der Meister sprach: Der scheue Vogel fliegt davon, auch ohne guten Grund. Selbst wenn du ihm wohlgesonnen bist, meidet er schreckhaft deine Nähe. Irgendetwas in der Natur drängt zur Vorsicht und zur Furcht. Durch die Dynamik des Geistes wandelte sich dieser Impuls zu einem zwanghaften Misstrauen gegenüber der Welt und ihren Erscheinungen. Die Aufgabe des Menschen besteht darin, dieses Misstrauen wieder zu entkräften und aufzulösen. Ruhe im Geist und Vertrauen zum Leben sind die Mittel, um frei davon zu sein und Frieden zu finden.“

Von gegensätzlichen Gründen

Der Meister sprach: Für den Unwissenden gibt es immer einen Grund zur Klage. Für den Weisen gibt es immer einen Grund zu Freude.“

Vom erhabenen Leben

Der Meister sprach: Denke wohl. Sprich wohl. Tue wohl. Sei wohl.“

Ohne Unterlass

Đe Ghê schrieb die Notiz: Geliebtes Leben, lass deinen sanften Frieden durch mich fließen – frei und ohne Unterlass.“

Ein Ausdruck des Glücks

Der Meister sprach: Wenn du zufrieden bist mit dem was du tust, dann ist das was du tust wahrhaft ein Ausdruck des Glücks.“

Vom Wesen der Freundlichkeit

Der Meister sprach: Wenn du fröhlich bist, so kostet dich ein freundliches Lächeln keinerlei Mühe. Verweile in deiner Freundlichkeit und biete der Welt, deren Frieden dir am Herzen liegt, dein wohliges Glück an. Wirke wie die Sonne, die allen Wesen Licht und Wärme spendet durch sich selbst.“

Vom Zweck des Tages

Der Meister sprach: Erhellung ist der Zweck des Tages.“

Vom Erwachen

Der Meister sprach zu Đe Ghê: Du, der du nach Befreiung strebst – ich danke dir von ganzem Herzen, denn deine Befreiung ist zugleich die meine. Eine befreite Welt gilt für alle. Die Welt von der falschen Vorstellung über sich selbst zu befreien, das ist der Weg des Erwachens aus dem Traum.“

Zur kollektiven Erfahrung

Der Meister sprach: Jedes persönliche Weltbild und jeder Gedanke trägt zur Kreation der kollektiven Erfahrung bei, die wir Welt oder Realität nennen.“

Vom Zauber der Manifestation

Der Meister sprach: Erlaube dir, dein Weltbild so zu gestalten, dass es dem Bild entspricht, welches du sehen willst. Darin liegt der Zauber jeglicher Manifestation.“

Praxis von großer Bedeutung

Der Meister sprach: Freundlichkeit. Zufriedenheit. Nächstenliebe. Hilfsbereitschaft. Wahrung des Friedens. Leben in Harmonie. Das ist spirituelle Praxis von allergrößter Bedeutung.“

Von der Erfahrung des Erwarteten

Der Meister sprach: Erwarte göttlichen Segen. Du wirst ihn erfahren.“

Die Angemessenheit des Wollens

Der Meister sprach: Für den weisen Menschen gilt: Ich bin, was ich sein will. Dergestalt ist das wahre Selbst, das in dir ist.“

Freiheit vom Mangel

Der Meister sprach: Freiheit vom Mangel wird bezeugt durch das Ende des Wollens.“

Von der wirkenden Kraft

Der Meister sprach: Es gibt keinen wirklichen Unterschied zwischen einem Weisen und einem Narren. Regen ist aufgestiegenes Meer; das Meer ist gefallener Regen. Die Wurzeln treiben hinab in den Boden; die Baumkrone wächst empor. In allem wirkt dieselbe Kraft. Sie ist frei und ohne Unterschied.“

Von der Bemühung

Der Meister sprach: Die Bemühung, die sich durch unser Handeln zeigt, ist ein direkter Ausdruck der Bereitschaft, mit der wir unsere Ziele verwirklicht wissen wollen.“

Von der Einheit

Der Meister sprach: Friedliche Einsicht besteht im friedlichen Sein. Liebe ist die Bedingung für sich selbst. Nie sind wir getrennt vom höchsten Selbst – so wie der Sonnenstrahl unlösbar geeint mit seiner Quelle ist.“

Von der Entdeckung

Der Meister sprach: Während du Tag für Tag mit deinem Verstand beschäftigst bist, spricht unaufhörlich dein Herz zu dir. Hörst du, was es sagt? Wem gehört deine Aufmerksamkeit? Welcher Stimme schenkst du mehr Bedeutung? Sei wahrhaft neugierig, die sanfte Stille der Wahrheit in dir zu entdecken.

Von der Unangreifbarkeit des Absoluten

Der Meister sprach: Im Unendlichen entsteht die Idee der Endlichkeit. Das Ewige erfährt scheinbare Vergänglichkeit. In der Ganzheit erscheint der Gedanke der Trennung. Doch kann die "Realität" eines Traumes dessen Urheber nichts anhaben. Der Traum ist eine Erscheinung im Träumenden – gleichermaßen ist diese Welt eine ungreifbare Erscheinung im Absoluten. Nichts in der Welt hat die Macht, den Urgrund, die Absolutheit, zu bedrohen – so wie ein Sonnenstrahl die Sonne nicht ausbleichen oder wie die Flamme das Feuer nicht verbrennen kann.“

Vom Lohn der Bemühung

Der Meister sprach: Täuschung, Unwissenheit, Illusion – all dies hat einen Zweck, der zur glücklichen Erfahrung von Befreiung führt. Ein köstlich-süßer Geschmack, der als Wahrnehmung im Selbst einen Reiz hat, bis dieser, genügsam anerkannt, losgelassen wird. Sodann: Alles dient der Freude des Erwachens. Vom Verstand kann dies nicht zufriedenstellend erfasst werden, denn: nichts was du denkst, fühlt was du bist. Leid und Freude, Unglück und Glück, wenig und viel, … solche Dualität hat schließlich keine Bedeutung für das Wesen der Einheit. Sich als Wesen der Einheit zu erkennen, das Selbst im Nicht-Selbst zu transzendieren, dies ist der göttliche Lohn aller Bemühung, die dem Ruf der Selbstverwirklichung folgt.“

Vom Lernen der Welt

Der Meister sprach: Alles Lernen der Welt zielt darauf ab, dass sich das Selbst im Selbst offenbart. Jenseits der Vorstellung von Freiheit ist alles frei. So will der kosmische Traum beendet werden durch Erkenntnis. Jegliche Bemühungen und alles Konzeptuelle spielen dabei die Rolle, das Verhüllte zu entdecken und Ungesehenes auf diese Weise sichtbar zu machen. Alles Ich-Denken, alles Gemüthafte, ja jegliche Vorstellungen haben keine reelle Substanz. Stille ist der Klang des Absoluten. Vollkommener Frieden ist die Natur des Seins. In dieser Einsicht bin ich frei.“

Von der unaussprechlichen Ganzheit

Der Meister sprach: Ewiges Sein ist unfassbar – weder Gedanken noch Gefühle könnten das Absolute vollständig ergründen. Reflexionen auf dem Wasser bezeugen den Stand der Sonne. Derart ist die Quelle der Ganzheit, welche durch Worte, Gedanken und Gefühle zu scheinen vermag und trotzdem niemals als Ganzes festgehalten werden kann. Die weltliche Erfahrung des Göttlichen ist eine Ahnung; dem Duft der Blume gleich, denn sie ist lediglich ein verkündender Aspekt, so wie Geschmack oder Geruch vom Wesen ihres Ursprungs künden. Wenn die Gedanken zur Ruhe kommen, beruhigt sich das Gemüt. Dies dient der angemessenen Betrachtung. Angemessene Betrachtung dient der Erkenntnis. Erkenntnis dient dem inneren Frieden. Der innere Frieden dient dem Wohl der Harmonie aller Erscheinungen in der Welt. Finde den inneren Frieden, indem du deine Identifikation mit dem Wechselhaften aufgibst und so die unaussprechliche Ganzheit des EINEN durch die Vielheit transzendierst.“

Die Melodie der Lebendigkeit

Der Meister sprach: Auf dem Lebensweg gibt es Höhen und Tiefen, die dazugehören, um den Weg, so wie man ihn geht, als solchen zu gehen. Dabei geschieht es, dass das, was vormals schwierig war, plötzlich leicht fällt. Und dann: Nach Leichtigkeit stellt sich Anstrengung ein. Die Schönheit eines Weges wird durch den Wechsel erfahren, dem großartigen Zusammenspiel aller Veränderungen inmitten des Seins. Augenblick für Augenblick. In jedem Moment erklingt so die Melodie der Lebendigkeit im Fluss der Zeit.“

Die Kraft des Wachstums

Der Meister sprach: Die Früchte des Wachstums sind dessen Bestätigung. Mit entsprechender Reife wirst du sagen können: »Rechtschaffenheit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Liebe ereignen sich durch mich.«

Jederzeit bist du vereint mit deinem höchsten Ziel. Die himmlischen Früchte werden genährt durch die Wurzeln irdischen Lebens. Du bist der Stamm, durch den die Kraft des Wachstums ihren Weg vom einen zum anderen nimmt. Oben und unten sind durch dich stets verbunden. Alles gedeiht dank deiner Eigenschaft, das Lebendige im Lebenden zu sein.“

Von der Unfassbarkeit

Der Meister sprach: Das Göttliche ist alldurchdringend, allumfassend, unvergänglich und unendlich. Als solche Totalität ist es vom Verstand ebenso wenig fassbar, wie der Ozean unmöglich von den Händen eines sich darin befindlichen Tauchers festgehalten werden kann.“

Vom Freisein frei sein

Der Meister sprach: Das Wesen der Freiheit schließt den Zustand mit ein, frei vom Konzept der Freiheit zu sein.“

Vom göttlichen Segen

Der Meister sprach: Liebe ist Gottes Segen für die Welt.“

Traum und Erwachen

Der Meister sprach: Der Traum ist die Blüte des Schlafs. Erkenntnis ist die Frucht des Erwachens.“

Von der ewigen Freude

Der Meister sprach: Ein Dieb wird niemals lang anhaltende Freude an seiner Beute haben. Obgleich sein Begehren nach diesem oder jenem erfüllt wurde, verbleibt die Wurzel allen Begehrens unangetastet im Boden der Unersättlichkeit. Solange die Tür zur Wunschlosigkeit nicht durchschritten worden ist, bleibt ein Mensch fortwährend an seine Wünsche gekettet. Das zeitliche Leben, das alle Ziele und alle Güter zu zerstören weiß, führt schließlich zur Gewissheit, dass die Anhaftung an Vergängliches aufgegeben werden muss. Finde das, was unvergänglich ist. Nur diese eine Freude – ohne Anfang und ohne Ende – wird reinen Frieden bringen.

Von der Hingabe an den Meister

Der Meister sprach: Wenn du bereit bist, so wird dich der Meister führen. Vertraue auf seine Gaben. Nimm sie dankbar und mit Aufrichtigkeit an. Trinke die Worte des Meisters direkt von seinen Lippen. Schmilz dahin in der Schau seines reinen, liebevollen Herzens. Gib dich hin, lass los und empfange.“

Erkenne deine Heiligkeit

Der Meister sprach: Die Weltenseele erfährt sich selbst durch dich. So wie ein Kind die Hand ausstreckt, um die Sonne zu erreichen, von deren Strahlen es berührt wird, so strebt dein ganzes Wesen hin zu allem, was es ist. In der Verbundenheit ist Trennung wirkungslos.

Sage mir: Was musst du tun, um das zu werden, was du bist?

Ich sage dir: Erkenne deine Herrlichkeit!“

Von der Vollendung

Der Meister sprach: Beherrsche deinen Geist und reinige dein Herz. Dies ist der Weg zur Vollendung der Welt.“

Mittel zum Zweck

Der Meister sprach: Der Weise hängt nicht an der Weisheit; für ihn ist sie Mittel zum Zweck.“

Über die Selbsterfahrung

Der Meister sprach: Von sich selbst als Selbst erfahren, verbleibt das Selbst als reines Selbst.“

Die große Täuschung

Der Meister sprach: Das Ich, das nicht da ist, erleidet Qualen, die nicht wahr sind. Dies ist die große Täuschung dieser Welt.“

Von der Wahrhaftigkeit

Der Meister sprach: Sei eifrig in deiner Freundlichkeit. Verweile standhaft im Frieden deines Wesens. Wirke wahrhaftig. Vervollkommne die Welt durch dich selbst.“

Von der Gleichheit

Der Meister sprach: So wie du deinen Nächsten liebst, so zeigt sich deine Liebe zu dir selbst.“

Das Ziel der Gegenwart

Der Meister sprach: Lass die Gegenwart dein Ziel sein. Geh den Weg des Lebens hier und jetzt.“

Von der Lebendigkeit

Der Meister sprach: Streben, Wachstum und Veränderung – so wirkt der lebendige Aspekt des Seins.“

Das kranke Ich

Der Meister sprach: Wie sehr leidet der Mensch doch unter jener eingebildeten Krankheit namens »Ich«.“

Vom Glück des Gebens

Der Meister sprach: Wenn du geben willst, was gibt es Schöneres, als jemanden zu finden, der von dir nimmt?“

Von der Verankerung

Der Meister sprach: Für das, was bleibt, ist das, was vergeht, wahrlich wie ein Traum. Sei tief verankert im Absoluten, im ewig Unveränderlichen. In dieser Heimat wohnt dein Sein.“

Von der Selbstgenügsamkeit

Der Meister sprach: Genügst du dir selbst, so bist du zufrieden mit dem, was das Leben dir bringt.“

Die Gabe des Friedens

Der Meister sprach: Möge der Frieden denen gegeben werden, die danach verlangen. Möge der Wunsch nach Frieden denen gegeben werden, die ihn benötigen.“

Von der Verbindung

Der Meister sprach: Das Gefühl der Einheit entspricht dem Glück der Erkenntnis.“

Von der geistigen Haltung

Der Meister sprach: Wähle Trennung, so erfährst du Getrenntheit. Wähle Vereinigung und du erfährst Einheit. Der Verlauf deiner Erfahrungen ergibt sich durch die Macht der Entscheidung im Geiste.“

Ich bin das

Der Meister sprach: Um Illusionen aufzulösen, sage »Das bin ich nicht.« Um zu erkennen, sage: »Ich bin das.«“

Immerda

Der Meister sprach: Liebe hat keinen Anfang und kein Ende.“

Von der Kunst des Erlangens

Der Meister sprach: „Probiere Neues, bewahre Gutes, festige Bewährtes und öffne dich für Hilfreiches.

Vom Antrieb

Der Meister sprach: „Sorge bezeugt immer einen Mangel an Vertrauen.

Gottes Geschenk

Der Meister sprach: „Liebe ist Gottes Geschenk für die Welt.

Von der Überwindung der Eitelkeit

Der Meister sprach: „Eitelkeit ist die Angst des Egos, als das gesehen zu werden, was es ist: Ein Trugbild, unvollkommen und vergänglich. Wenn man Eitelkeit im Licht der Liebe betrachtet, so ist die Eitelkeit bedeutungslos. Eitelkeit zeigt uns unseren tiefen Wunsch, umarmt zu werden – am allermeisten von uns selbst. Selbstliebe ist Seelenfrieden. Die fundamentalste Lektion dieser Welt ist Vergebung. Vergebung bedeutet, über Unwesentliches hinwegzusehen und den Frieden anzunehmen, der angenommen werden kann, weil dieser Frieden immer in uns ist und bleibt, unberührt von Zeit.

Von der Sichtweise

Der Meister sprach: „Im Hass sind wir hässlich, im Frieden stets schön.

Vom Lehren

Der Meister sprach: „Der Meister überlässt dem Schüler stets die Wahl der selbstständigen Entscheidung, doch weiß der Weise gleichfalls, was für den Fortschritt seines Anvertrauten nützlich ist. Mit geeigneten Mitteln bringt der Kenner den Unwissenden hin zum Verständnis. So macht der Meister sich den Schüler gleich durch die Weitergabe seiner Meisterschaft, in Anerkennung dessen, dass es das ist, was getan werden will.

Die Wohnstätte der Liebe

Der Meister sprach: „Jeder gegenwärtige Augenblick bietet uns unseren eigenen Frieden an. Frieden ist eine Wahl, die jeder in jedem Moment für sich selbst annehmen darf. Der Frieden in uns selbst ist die Grundlage des Friedens im Außen. Frieden ist die Wohnstätte der Liebe. Frieden ist die Ganzheit im Ganzen. Frieden ist, was du wirklich bist.

Vom Reichtum

Der Meister sprach: „Ist es nicht äußerst beunruhigend für deinen Geist, wenn du mehr hast, als du brauchst? Wohlhabend bist du nicht durch die Umstände oder die Dinge, die du dein eigen nennst, sondern durch die Harmonie deines Seins.

Vom so sein

Der Meister sprach: „Lebe aufmerksam und bescheiden. Sei ein Licht in der Welt. Ruhe in deinem Selbst. Beschreite den Weg in Harmonie mit dem Ziel. Schließe Frieden mit dem Moment. Gut ist immer gut genug.

Vom meistern der Welt

Der Meister sprach: „Wenn du in der Welt lebst, lernst du zu urteilen. Um die Welt zu meistern, vergib!

Erkenne wer du bist

Der Meister sprach: „Identifikation mit dem Unwirklichen führt zu leidvollen Erfahrungen. Erkenne wer du bist. Du bist frei.

Über die Auflösung

Der Meister sprach: „Selbst in der Fülle erzeugt der schwache Geist ein Gefühl des Mangels und auch in äußerster Stille verschlingen sich in ihm noch gegenseitig die Gedanken. Unglück wohnt im andauernden Konflikt des Geistes. Es aufzulösen bedarf der Entspannung. Frieden ist niemals die Errungenschaft eines Kampfes. Frieden wird immer offenbar durch sich selbst.

Vom Weitergeben

Der Meister sprach: „Gleich der Flamme einer Kerze, mit der du unvermindert zahlreiche Lichter zum leuchten bringen kannst, so gib dein Licht und deine ganze Liebe weiter, auf dass die Welt erstrahlt durch dich.

Vom erfüllten Geist

Der Meister sprach: „Für den erfüllten Geist wird ein Stück Brot zum Festmahl. Freudig nimmt er alles an als einen Grund zur Dankbarkeit.

Vom gut sein

Der Meister sprach: „Ein Lächeln ist niemals vergebens und eine liebevolle Bemühung bleibt niemals unvergütet.

Von der Besonderheit

Der Meister sprach: „Das Leben schenkt jedem Menschen besondere Talente. So wie der Fisch im Wasser lebt und schwimmt, so wie ein Vogel die Luft mit seinem Flügelschlag durchquert, so sind die Menschen verschiedenen in ihren Stärken, um die Aufgaben gemäß ihrer Bestimmung zum Wohl des Ganzen zu erfüllen.

Von der Untrennbarkeit des Seins

Der Meister sprach: „Hitze ist im Feuer und Kälte ist im Eis. Derart untrennbar ist das Sein mit allem verbunden, was ist.

Die göttliche Komposition

Der Meister sprach: „Der Baum ist im Samen angelegt. Der Baum wiederum bringt neuen Samen hervor. Dergestalt liegt Kleinheit im Großen und Größe im Kleinen. So sind die Teile im Ganzen und das Ganze ist in den Teilen. Das Leben ist eine wahrhaft göttliche Komposition.

Vom Verneigen

Der Meister verneigte sich vor seinem Schüler und sprach: „Wenn ich mich verneige, so grüße ich alles in allem. Wenn ich dich grüße, so grüße ich das Göttliche in uns.

Die zugrundeliegende Natur

Der Meister sprach: „Dein wahres Selbst ist nichts sonderbares. Es ist immer präsent. Mühelos bist du, was du bist. Fürchte dich nicht. Erkenne dein tatsächliches Wesen. Nie kannst du nicht sein, was du wirklich bist. Die allem zugrundeliegende Natur ist absolut.

Die wohlhabende Saat

Der Meister sprach: „Wer Freude sät wird Frieden ernten.

Vom Ruhen

Der Meister sprach: „Eile, wenn Eile geboten ist – doch ruhe stets in deinem Selbst.

Vom allumfassenden Glück

Der Meister sprach: „Mein Glück besteht darin, dass es nichts gibt, was ich nicht bin.

Über die Unentschlossenheit

Der Meister sprach: „Demjenigen, der nicht weiß was er will, stellt die freie Wahl vor große Probleme.

Allgegenwärtiges Sein

Der Meister sprach: „In allem ist das eine, ganze, allgegenwärtige Sein. Erkenne, dass du DIESES bist. Sei frei!

Vom Reisen

Der Meister sprach: „Gehe deinen Weg mit Freude. Lass deiner Seele freien Lauf. Gehe Auge in Auge mit der Natur. Wandere im Augenblick. Eine solche Art zu Reisen bringt dich voran und führt dich sogleich zu dir.

Höchste Gnade

Der Meister sprach: „Höchste Gnade ist das, worauf nichts und niemand Einfluss hat, und was doch stets und überall zum Wohle aller wirkt.

Von der Bestimmung

Der Meister sprach: „Es ist unsere Bestimmung, vollkommenen Frieden zu finden und unsere Freiheit zu erkennen. Wie die Raupe sich in einen Schmetterling verwandelt, so wird sich der Mensch schließlich in jenem Zustand wiederfinden, der ihn von allen Irrtümern befreit. So wie Lachse im Gewässer ihrer Geburt ablaichen, so liegt die Selbstverwirklichung in der Natur unseres Seins.

Wertschätzung

Der Meister sprach: „Wertschätzung geschieht immer im Augenblick

Leben ist Bewegung

Der Meister sprach: „In der Wechselhaftigkeit des Atems liegt dein Wohl. Dein schlagendes Herz führt dich durch jeden Moment deines Lebens. Leben ist Bewegung. Leben bedeutet Wachstum. Das sich Entwickelnde lass sich entwickeln. Leben ist, was sich durch das Leben offenbart.

Die verbindende Kraft

Der Meister sprach: „Dieselbe Kraft, die das Herz in dir zum Schlagen bringt, bewegt sogleich das meine. Lass uns uns selbst als Heim der Liebe anerkennen, denn darin sind wir eins.

Vom Geschmack der Gegensätze

Der Meister sprach: „Oh Bitterkeit, ich danke dir, dass du mir die Süße wahrhaft schmackhaft machst.

Vom Verschwinden

Der Meister sprach: „Alle persönlichen Probleme verschwinden, wenn der Mensch Gottesbewusstsein erlangt.

Über die Einfachheit

Der Meister sprach: „Es ist wohl schon ein großer Verdienst, mit fortschreitendem Alter kein grimmiger Besserwisser geworden zu sein. Derjenige mit offenem und friedvollem Herzen hat in seinem Leben wahrlich viel erreicht.

Indirekter Segen

Der Meister sprach: „Kummer ist ein großer Segen. Schmerz bringt den Sucher von der Dunkelheit ins Licht, so wie brennender Durst einen Reisenden schließlich zur Quelle führt.

Die Wahl des Weges

Der Meister sprach: „Es gibt viele Wege, die zur Erfahrung vollkommenen Friedens führen. Wie auch immer dein Leben verläuft, wie auch immer sich die Umstände erweisen – du bist frei, den Weg zu gehen, den du gehst.

Die höchste Wonne

Der Meister sprach: „Der Mensch in seiner höchsten Wonne lebt als er selbst als seine eig'ne Sonne.

Von der Unabdingbarkeit des Geschehens

Der Meister sprach: „Im Leben gibt es keine falschen Wege.

Stille

Der Meister sprach: „Der Mensch ergründet, fragt und redet, um schließlich zu erkennen, dass die Quelle aller Weisheit Stille ist.

Vom glücklichen Moment

Der Meister sprach: „Der glückliche Moment ist das Glück selbst.

Wärme

Der Meister sprach: „Gleich der Sonne, die am Himmel steht und Licht und Wärme spendet, so erhelle die Welt mit deinem Wesen.

Über die Lüge

Der Meister sprach: „Die Lüge ist ein Schatten der Wahrheit.

Über den Willen

Der Meister sprach: „Der Wille ist eine Idee, die sich durch sich selbst manifestiert.

Kosmisches Sein

Der Meister sprach: „Jede Möglichkeit wird im kosmischen Sein als Erscheinung erfahren, auf dass das Sein jenseits aller Erfahrungen als es selbst unveränderlich verbleibt.

Zur Unterscheidung

Der Meister sprach: „Die kleinen Dinge nimm groß und die großen nimm klein. Und doch: Unterscheide sehr wohl zwischen Bedeutsamkeit und Unbedeutsamkeit.

Zur Voraussetzung

Der Meister sprach: Ohne geordnete Voraussetzungen könnte Chaos nicht chaotisch sein.

Der unermessliche Dienst

Der Meister sprach: „Begleite den Lauf der Dinge mit liebendem Herzen und friedlichem Geist. Darin erweist du der Welt einen unermesslichen Dienst.

Von der Schlichtung des Geistes

Der Meister sprach: „Weder kannst du eine Knospe dazu zwingen, sich zu entfalten, noch die Blume dazu treiben, zu erblühen. Ebenso wenig kannst du die Frucht nicht zur Reife überreden. Das Leben ist ein sich selbst vollendender Akt im Sein. Ruhe in dieser Erkenntnis und befreie deinen Geist vom Kampf gegen sich selbst.

Von der Substanzlosigkeit

Der Meister sprach: „Leid und Glück sind ohne Substanz.

Vom Urgrund

Der Meister schrieb als Jüngling die Notiz: „Ich fühle mich wachsend wie ein Baum, sich weiten wie eine Blüte und strömen wie ein Fluss. Ich bin alles in allem, ich bin die Dynamik, die Energie, das Leben als solches und der Urgrund allen Seins.

Deine Herrlichkeit

Der Meister sprach: „Sorge dich nicht. Sei frei inmitten deiner Herrlichkeit.

Ehrlichkeit

Der Meister sprach: „Sage mir: Bereiten dir Lügen keine Unannehmlichkeiten? Sei also stets ehrlich zu anderen und zu dir selbst. Dann wandelst du mit reinem Herzen , sorglos und frei.

Vom Scheinbaren

Der Meister sprach: „So wie unendlich mögliche Figuren in einem unbehauenen Steinblock verborgen liegen, so ist das Vorstellbare eine scheinbare Möglichkeit dessen, was ist.

Liebe und Frieden

Der Meister sprach: „Liebe ist die Natur des Friedens. Frieden ist das Wesen der Einheit.

Ausschließlichkeit

Der Meister sprach: „Das Licht kennt keine Dunkelheit.

Herzensgebet

Jeden Morgen bat der Meister in Stille: „Möge das göttliche Licht meinen Geist erhellen und mein Herz mit Liebe erfüllen. Möge die Liebe wirken als sie selbst durch mich.

Von der Beständigkeit

Der Meister sprach: „Wirklich ist, was nicht bezwungen werden kann. Immer ist, was immer war, niemals ist es nicht.

Das Kapital der Weisheit

Der Meister sprach: „Freude ist die Währung des Weisen. Frieden ist sein Königreich.

Vom Verhalten

Der Meister sprach: „Der Meister spricht die Wahrheit nicht um seiner selbst Willen, sondern um der Wahrheit Willen. Der Meister meidet Zorn. Der Meister spricht auch dann wahrhaftig, wenn er dafür den Zorn anderer auf sich zieht. Doch ist der Meister stets darum bemüht, den friedlichen Weg zu gehen.

Vom Nichterkennen

Der Meister sprach: „Im Nichterkennen deiner grundlegenden Natur liegt Leid. Um frei von Leid zu sein, erkenne wer du bist.

Der Dienst des Lebens

Der Meister sprach: „Stell dich in den Dienst des Lebens, dann wird das Leben dir zu Diensten sein.

Liebe verschwenderisch, halte nichts zurück

Der Meister schrieb in einem Brief an seinen Schüler: „Liebe verschwenderisch. Halte nichts zurück. Liebe, oh du Geliebter. Liebe um der Liebe Willen, als gäbe es nichts zu gewinnen, als gäbe es nichts zu verlieren. Ohne 'dein' und 'mein' ist alles Eins.

Gelebter Nutzen

Der Meister sprach: „Ein wohl genutztes Leben gibt dir, was du brauchst, um zu erkennen, wer du bist.

Der ultimative Wunsch

Der Meister sprach: „Verbrenne all deine Wünsche geduldig im Feuer der Weisheit, gegebenenfalls, indem du jedem einzelnen deiner zahllosen Bedürfnisse nachkommst, gleich einer Mutter dem Rufe des Kindes folgend, bis du erkennst: Die unermüdliche Befriedigung unzähliger Wünsche führt dich früher oder später zum allergrößten, zum ultimativen Wunsch – das brennende Verlangen nach Wunschlosigkeit weist dir schließlich den Weg. Daraufhin bist du bereit für Erfüllung; es offenbart sich dir Kenntnis ewigen Glücks.

In Anbetracht der Ewigkeit

Der Meister sprach: „In Anbetracht der Ewigkeit sind persönliche Probleme wahrhaft nichts. Für den Weisen ist Unendlichkeit der Maßstab allen Seins. Sein Glück liegt nicht in wechselhaften Dingen, sondern in der Beständigkeit, die alles andere trägt.

Wunder

Der Meister sprach: „Ein Wunder ist in der Tat, was dir dazu verhilft, zu erkennen wer du bist, ohne dass du etwas dazu tun musst.

Vom Sein

Der Meister sprach: „Dieser Moment ist alles, was du hast. Dieser Augenblick ist alles, was du brauchst. Das Bewusstsein, dass sich darin als sich selbst erweist, ist, was du bist.

Die größte Kraft

Der Meister sprach: „Die Liebe ist die größte Kraft, die letzten Endes alles still sein lässt, weil alles ihr zu eigen ist.

Vorbild

Der Meister sprach: „Der Heilige ist dem Unwissenden stets zu Diensten durch sein vorbildliches Tun.

Frei von Knechtschaft

Der Meister sprach: „Der normale Mensch steht in Knechtschaft zu seinen Wünschen. Freiheit bedeutet, frei vom Wechsel der zahllosen Begierden zu sein.

Zweifel ist Begrenzung

Der Meister sprach: „Zweifel ist Begrenzung.

Welle und Ozean

Der Meister sprach: „Wo es keine Zeit gibt, da ist jeder Augenblick die Ewigkeit. Welle und Ozean sind Eins.

Vom Nehmen

Der Meister sprach: „Nimm Schweres leicht, dann ist es leicht.

Die Mittel der Wahl

Der Meister sprach: „Bringt nicht sowohl die Fähre als auch die Brücke den Wanderer sicher über den Fluss? Nutze also die Mittel deiner Wahl, so wie sie dir gegeben werden.

Tradition & Werk

Der Meister sprach: „Liebe ist meine Tradition, Freundlichkeit mein Wille und Hingabe ist mein Weg. So möge mein Handeln stets das Werk des Friedens sein.

Sei ein Geschenk für die Welt

Der Meister sprach: „Sei ein Geschenk von der Welt für die Welt. Lass dich vom Leben tragen. Tanze auf der Spitze des Augenblicks. Deine Bestimmung ruft dich jederzeit. Vertrauen und Hingabe erwecken in dir das Wissen der Unsterblichkeit.

Vom Potenzial

Der Meister sprach: „Der Meister sieht in seinem Schüler stets das volle Potenzial, das Höchste, das Eine, das vollkommen Göttliche.

Sei eine Stütze

Der Meister sprach: „Der unzufriedene Geist vermag das Schöne, Gute nicht zusehen. Er ächzt und stöhnt. Er klagt und stört. Nimm Abstand von Sorge und Gejammer. Wende dich der Freude zu. Sei mutig. Lass keinen Ruf der Liebe unbeantwortet. Diene deinem Nächsten. Sei eine Stütze für den Frieden dieser Welt.

Fremde

Der Meister sprach: „Wer das Gefühl von Heimat im eigenen Herzen nicht kennt, für den ist allerorten Fremde.

Vom Geben

Der Meister sprach: „Derjenige, der andere hasst, den hasse nicht. Demjenigen, der anderen nicht vergibt, dem vergib. Wer sich selbst nicht liebt, den liebe inniglich.

Wege

Der Meister sprach: „Welche Wege du zu gehen auch immer bereit bist, wohin führen sich dich, wenn nicht am Ende zu dir selbst?

Erhebe dich!

Der Meister sprach: „Genieße! Genieße! Trinke vom Leben – wie ein Kolibri, der sich Nektar aus der prachtvollen Blüte verschafft. Das Leben wurde gegeben, um erfahren zu werden. Koste! Lerne vom Augenblick. Tauche hinein in den Moment. Staune! Lebe! Erhebe dich! Sei!

Wer, wer, wer

Der Meister sprach: „Wer im Leiden Leid erfährt und Glück im Glücklichsein, der ist wahrhaftig. Wer Schmerz hinter der Freude erkennt, und Freude hinter dem Schmerz, der ist weise. Wer in allem immer derselbe ist, der ist frei.

Fremde

Der Meister sprach: „Wer das Gefühl von Heimat im eigenen Herzen nicht kennt, für den ist allerorten Fremde.

Erhellung

Der Meister sprach: „Die Welt mit liebevollen Augen friedlich anzuschauen ist ein Geschenk. Wenn wir erkennen, dass Liebe unverrückbar in uns ist, sie allem standhält, immerwährend da ist und sich uns still und bedingungslos anbietet als unser tiefstes Selbst, so erhellt sie jeden Augenblick.

Das rechte Maß

Der Meister sprach: „Nie ist etwas überflüssig, nichts ist zu viel und nichts zu wenig. Alles ist in rechtem Maße ― so fließt das Leben, wie es will.

Das Geschenk des Lebens

Der Meister sprach zu seinem Schüler: „Dein persönlicher Weg ist das Geschenk des Lebens an sich selbst.

Von den Gewohnheiten

Der Meister sprach: „Eine gute Gewohnheit ist ein Segen. Eine schlechte Gewohnheit ist eine gute Gelegenheit.

Vom Anreiz

Der Meister sprach: „Alle Schwierigkeiten im Leben dienen als Anreiz zum Wachstum. Rückblickend erscheint das verständlicher zu sein als im Moment der Verzweiflung.

Inmitten der Freude

Der Meister sprach: „Inmitten der Freude würdigt das Leben sich selbst.

Schatten und Glanz

Der Meister sprach: „Erst durch den Hilfebedürftigen vermag der Edle zu helfen. Gäbe es nicht eine Spur von Schatten, was könnte demnach glänzen?

Von der Lüge

Der Meister sprach: „Für den Unwissenden ist die Lüge ein hochwirksames Gift. Der Weise bleibt davon unberührt.

Vom Lehren

Der Meister sprach: „Was kann der Meister denjenigen lehren, der das Wissen nicht bei sich behalten kann? Hat der Krug ein Loch, so muss man zuerst dafür sorgen, dass es geschlossen wird, bevor man Wasser hineingibt, um es darin aufzubewahren.

Vom Wert

Der Meister sprach: „In Anbetracht des absoluten Seins sind alle Freuden und alles Leid dieser Welt nicht mehr und nicht weniger wert, als ihnen beigemessen wird.

Vom geistigen Frieden

Der Schüler fragte: „Meister, was ist der Nutzen der Meditation?
Der Erhabene antwortete: „Sie dient dem Frieden unseres Geistes.
Der Schüler fragte: „Nicht mehr als das?

Der Meister sprach: „Ist geistiger Frieden nicht der größte Schatz, den ein Mensch sein Eigen kann? Weder könnte der reichste Geschäftsmann der Welt die Befriedung seines Geistes mit Gold oder Geld für sich gewinnen, noch vermögen es Regenten königlichen Blutes, ihren Geist dazu zu zwingen, ruhig und harmonisch zu sein.

Frieden bietet sich an, um mit liebevollem Einverständnis angenommen zu werden. Unserer Einladung von ganzem Herzen folgend, offenbart er sich im jeweiligen Moment – zugleich ist dies das Geschenk, das er zu geben hat. Mächtig durchströmt innere Ruhe unser ganzes Wesen – offen, sanft, schimmernd und frei.

Durch Gnade beseelt, legt ein solcher Frieden die Schwierigkeiten, Störungen, Ängste und geistigen Leiden beiseite. Durch ihn schaut der Glückselige genügsam auf das, was ist, erkennend, wie es ist, ohne dabei im Streit weder mit sich noch mit der Welt zu sein.

Was könnte das Leben dem Weisen Vorzüglicheres anbieten, als einen reinen, friedvollen und unzweifelhaften Geist?

Residenz

Der Meister sprach: „Dein Herz ist die Residenz des Friedens und der Liebe. Jetzt und jederzeit!

Lektionen des Lebens

Der Meister sprach: „Verlust ist eine kostbare Lektion. Er deutet auf den wahren Wert aller Dinge hin. Das Leben ist eine Übung im Loslassen dessen, was kommt und geht. Lachen und Weinen sind wie zwei Seiten einer Münze. Der Geist ist ein Spiegel verborgener Wünsche. Nimm was du brauchst, gib was du hast. Versuche nicht festzuhalten, was du nicht festhalten kannst.

Vom Sein des Seins

Der Meister sprach: „Weil etwas ist – oder zu sein scheint, und dann wieder nicht, deshalb bezeichnen die Weisen alles Vergängliche als unwirklich. Das Unvergängliche, das ewig ungeteilte Eine, das Sein des Seins an sich, dies nennt man daher das Wahre, Absolute.

Vom Duft der Liebe

Der Meister sprach: „Liebe kann nicht erkauft, niemals erzwungen werden. Liebe fließt von selbst, überbordend, aus freiem Willen. Wie der Duft der Blüte, so strömt auch die Liebe und weitet sich aus.

Herrschaft über die Kleinheit

Der Meister sprach: „Viele verlangt es nach hohem gesellschaftlichem Rang, nach Größe, nach Ansehen und gehobener Position. Doch ohne die Herrschaft über die Kleinheit [des Ichs] gewonnen zu haben, kann niemand ein wahrhaft hohes Ziel erreichen.

Von der Vollständigkeit

Der Meister sprach: „Ohne die Kleinheit kann Großes nicht vollkommen sein.

Von der Standhaftigkeit

Der Meister sprach: „Dann und wann überfällt die Leute eine Form von Gläubigkeit, nur um wieder zu verblassen. Du aber bleibe standhaft im Vertrauen und erkenne den praktischen Nutzen aufrichtiger Hingabe. Nichts von Ewigkeit kann je verloren sein. Das ist der Trost der Gläubigen in dunklen Stunden.

Vom sein lassen

Der Meister sprach: „Dem Eitlen gönne die Eitelkeit. Dem Neider lass seinen Neid. Sorge dich nicht um den Sorgenden. Was kümmert dich des Wütenden Bitterkeit, wenn du zufrieden bist?“

Von der Gegenwärtigkeit des Selbst

Der Meister sprach: „Wohin auch immer du gehst, nie kannst du dort sein, wo du nicht bist. Wohin sonst könntest du also gelangen, als stets zu dir selbst?

Von der Bedeutsamkeit des Leides

Der Meister sprach: „Ein Leid verliert seine Bedeutsamkeit durch ein noch größeres Leid. Doch selbst der größte Schmerz geht irgendwann dahin und löst sich auf in Raum und Zeit.

Vom Dienst für die Welt

Der Meister sprach: „Bekämpfe nicht, was sich zu ereignen hat. Geh ein in das, was liebevoll vonstatten geht. Folge der Einsicht, dass du handelst, um der Welt einen Dienst zu erweisen, auf dass die Welt dem Ganzen diene, das allen gleichermaßen lieb und teuer ist.

Von der Zufriedenheit

Der Meister sprach: „Nichts kann dich dauerhaft zufriedenstellen, ausgenommen der Frieden, der in dir ist.

Vom ewigen Frieden

Der Meister sprach: „Das Ich ist Bewusstsein, das in Vorstellungen lebt, so wie die Welt eine dadurch erscheinende Erfahrung ist. Lebendigkeit ist ein sich andauernd wandelnder Akt. Was vollständig frei und ewig in Frieden ist, das bist du.

Innen

Der Meister sprach: „Der Mensch sucht, wieder und wieder, um schließlich zu finden, was in ihm ist.

Das Sein ist wie ein Fluss

Der Meister schrieb eine Notiz: „Reines Sein, in jedem Augenblick, ist wie ein Fluss; ein Ganzes. Hier, im Nicht-Nichts, ist alles für immer zu jeder Zeit.

Vom Wandel

Der Meister sprach: „Wer weiß, das Ganze ganz zu nehmen, der wird ein Maß an Ungemütlichkeit nicht ächten, sondern dankbar sein, spätestens im Nachhinein, wenn alles Wandelbare sich erneut gewandelt hat.

Vom Fluss des Ganzen

Der Meister sprach: „Von der Quelle bis zur Mündung bin ich das Ganze, der Fluss, das Fließen, der Anfang und das Ende – bis hin zum Ozean, mit dem ich mich verbinde.

Ein Licht unter Schichten

Der Meister sprach: „Wenn du nicht weißt, wer du bist, erkennst du dich nicht in dem, was ist. Wie unter Schichten ein Licht, wie eine Sonne; jetzt und jederzeit, EINS ohne Zweites, DAS ist, WAS du bist. Was vermögen Nebel und Wolken über sich selbst hinaus zu beweisen, außer, dass sie vergänglich sind – und somit nichts? WAS aber strahlt, als Glanz des Ganzen, davon lass dir sagen, WER du bist.

Aneinanderreihungen

Der Meister sprach: „Das Menschenleben ist eine Aneinanderreihung von Bedürfnissen und Befindlichkeiten. Überwinde sie. Übe Geduld. Übe Nachsicht. Bleibe standhaft. Sei liebevoll. Vergib. Sei dankbar. Löse dich von Gram und Sorge. Sei offen und freundlich. Hilf. Erhelle dich, leuchte, in dir, um ein Licht für den Sucher inmitten der Nacht zu sein.

Hindernis und Überwindung

Der Meister sprach: „Mit Wissen überwindet der Weise die Welt. Das Wissen gleicht dem Boot und die Welt ist wie Wasser. Das Hindernis selbst wird Mittel zum Zweck und dient seiner eigenen Überwindung.

Vom Schmilzen

Der Meister sprach: „Es ist leicht zu geben, wenn und wann und was und wem du geben willst. Gib weiter, auch wenn es schmerzt. So schmilzt die Ichbezogenheit dahin.

Sei ein Meister deines Lebens

Der Meister sprach: „Meisterschaft führt zu vollkommener Sicherheit. Sei ein Meister deines Lebens. Sprich angemessen deine Worte, sei aufrichtig im Handeln und liebevoll im Sein.

Unabhängigkeit

Der Meister sprach: „Wenn du unabhängig von Gerechtigkeit bist, was wird Ungerechtigkeit dir noch anhaben können?

Das Angebot der Wahl

Der Meister sprach: „Biete Frieden an und er ist dein. Weil er dein ist, kannst du ihn geben. Gib, gib, gib. Von ganzem Herzen.

Vom Kinder hüten

Der Meister sprach: „Wer Kinder hütet, lernt zu leben.

So oder so

Der Meister sprach: „Ein unzufriedener Geist stört sich sogar noch am Lächeln anderer. Ein friedlicher Geist erblickt alles durch und durch segensreich.

Vom Anpsassungsvermögen

Der Meister sprach: „Wer ohne Anpassungsvermögen ist, für den mag, was heute noch ein Segen ist, bereits morgen ein Fluch sein.

Weite und Tiefe

Der Meister sprach: „Wer das Leid in der Welt nicht sieht, der hat nicht weit genug geschaut. Wer das Glück hinter allem nicht sieht, der hat nicht tief genug geschaut.

Der Wille des Ganzen

Der Meister sprach: „Der freie Mensch macht keine Kompromisse. Alles folgt seinem Willen, weil sein Wille dem Ganzen entspricht.

Von der Unnachsichtigkeit

Der Meister sprach: „Unnachsichtig mit einem Unnachsichtigen zu sein ist, als riebe man zwei trockene Hölzer aneinander. Aus mangelnder Einsicht erwächst das Feuer der Barbarei.

Wechselseitigkeit

Der Meister sprach: „Sei gut zum Leben, dann ist das Leben gut zu dir.

Was gekommen ist, wird gehen

Der Meister sprach: „Nichts Vergängliches ist es wert, dass du daran festhältst. Was gekommen ist, wird gehen. Lass los, was du nicht festhalten kannst.

Reife

Der Meister sprach: „Wie der frische Saft einer reifen Frucht, so quillt reine Freude aus dem Wesen des Erhabenen.

Gib

Der Meister sprach: „Gib immer alles, so hast du stets davon genug.

Vom nicht hindern

Der Meister sprach: „Im Grunde gibt es nicht viel zu tun. Beschränke nicht, was ungehindert fließen will.

Vom Kampf gegen die Entsagung

Der Meister sprach: „Wenn du entsagst, so kämpft etwas in dir gegen die Entsagung. Lebst du in der Fülle, so zieht es dich früher oder später zur Entsagung. Polarität solcher Art bedeutet Leid. Sei frei!

Der Weg der Erhabenheit

Der Meister sprach: „Der Weg der Erhabenheit besteht darin, sich von Schwierigkeiten nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. So wie ein Wasservogel ausgewogen und sicher auf den Wellen des Ozeans ruht, so meistere die Höhen und Tiefen deines Lebens. Die Gegebenheiten sind immer vollkommen.

Anhaftungsloses Glück

Der Meister sprach: „Das Glück, das sich durch Anhaftungslosigkeit zeigt, ist größer, als alle vergänglichen Freuden, die die Welt zu bieten hat.

Von der Entschlossenheit

Der Meister sprach: „Du kannst deinen Schwächen nicht davon laufen. Konfrontiere sie mit einem starken Willen und fester Entschlossenheit. Sei siegreich in dem, was du tust. Sei weise, handle geschickt und unternimm jede Art von Mühe, die dir dabei hilft, das Ziel deines Lebens zu erreichen.

Kontrolle des Verlangens

Der Meister sprach: „Die besondere Schwierigkeit bei der Kontrolle des Verlangens und der Beherrschung der Sinne liegt darin, dass es so einfach ist, diesen nachzugeben.

Die größte Aufgabe des Menschen

Der Meister sprach: „Die größte Aufgabe des Menschen besteht darin, die Wirklichkeit so zu verstehen, wie sie ist.

Über die Belehrung

Der Meister sprach: „Wozu die Menschen belehren, lernen sie doch vor allem durch sich selbst.

Vom Ausloten

Der Meister sprach: „Alle Gewinne sind stets nur zeitweilig. Und auch der Verlust wird nicht von Dauer sein. Relativiere dein Jauchzen ob des Vorteils und entsage dem Gejammer in Anbetracht der Nachteile, die du erfährst. Lote dich aus, nimm eine erhabene Haltung gegenüber den Geschehnissen ein und sei dein eigener Kenner und der Steuermann deines Lebens.

Über die Hingabe

Der Meister sprach: „Was auch immer du tust, tue es mit liebevoller Hingabe an Gott. Dann wird alles gelingen.

Liebevolle Bedeutung

Der Meister sprach: „Alles bekommt eine liebevolle Bedeutung im Licht der Vergebung.

Von der Unwissenheit

Der Meister sprach: „Oh Mensch, das Leben zeigt dir wiederkehrend und Mal für Mal, dass du nichts gelernt hast, dass du nichts weißt, wenn du immer noch denkst, dass /du/ es bist, der zu verstehen meint.

Vom Kontrast

Der Meister sprach: „Solange in die wahnsinnigen Ziele des Ego investiert wird und ein Kontrast zum erfahrbaren Frieden ausgelebt wird, solange ist Leid Bestandteil von Erfahrung. Je größer das Leid, desto naheliegender wird allerdings auch die Bereitschaft sein, sich dem Lernen grundlegender, hilfreicher und möglichst effizienter Lektionen zuzuwenden.

Respekt

Der Meister sprach: „Dem einfachsten Menschen gebührt höchster Respekt.

Vom ruhigen Geist

Der Meister sprach: „Nur wer ruhigen Geistes ist, versteht. Denn wer kann hören, wenn er unablässig spricht?

Vom Verweilen

Der Meister sprach: „Lerne, was es in der Welt für dich zu lernen gibt und dann verweile sanft in der Vollkommenheit des Seins. Mache es dir zur Aufgabe, in Frieden zu sein mit dem, was unabänderlich ist, und zu tun, was getan werden muss.

Geben an die Welt

Der Meister sprach: „Jedes gesprochene Wort ist eine Gabe an die Welt. Prüfe, was du der Welt zu sagen hast.

Weitere Texte werden von Zeit zu Zeit hinzugefügt...
Alle Texte: Dirk Gießelmann, » www.Soylent-Weiss.de » Impressum

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